Von Christian Schultz-Gerstein

Man streitet sich, ob sie eine Nonne oder eine Hure, ob sie harmlos oder gefährlich ist. Auf jeden Fall muß die Fernsehunterhaltung wohl etwas Kompliziertes sein.

Beispielsweise gibt doch die Tatsache zu denken, daß ein scheinbar unbestrittenes Tele-Idol wie Kulenkampff, das man geborgen und anerkannt in der Gunst von Millionen wähnt, daß ein solcher Fernsehliebling seufzt: „Das Image des Quizmasters ist ganz, ganz schlecht, es ist so schlimm, daß ein halbwegs gebildeter Mensch das nicht macht.“ Unterhaltung ist offenbar etwas, was die Leute abends genießen und tags bei den Demoskopen denunzieren.

Vielleicht liegt das einfach nur daran, daß der moralischen Anerkennung des Fernsehens antiquierte Vorstellungen von Seriosität immer noch im Wege stehen. Vielleicht aber auch braucht das Publikum seine betriebsam zappelnden Popanze, um, indem es sie per Infratest ächtet, hintenherum „in Kultur“ zu machen.

Zugegeben, eine derartige Vermutung scheint, gemessen an der leutseligen Biederkeit unserer Frankenfelds und Helmensdorfers, recht hoch gegriffen. Zwar sind wir wachsamer geworden, haben wohl auch gelernt, scheinbar harmlose Alltäglichkeiten kritischer zu sehen, macht aber einer Lembkes Struppi zum Gegenstand theoretischer Betrachtungen, so halten wir ihn für einen närrischen Querulanten. Eine Theorie, so lautet das Vorurteil, ist vor allem prinzipiell unverständlich; geradezu ein Ärgernis aber wird sie, sobald ihre Vertreter das doch allen Verständliche „verunklären“.

Jedermann verständlich aber sind die unterhaltenden Fernsehserien, in denen, ganz ohne Nebenabsicht, Bleispritzen und Ressentiments die kleinen Konflikte des Alltags lösen. Diese Serien, so lautet ein anderes Vorurteil, sind so verständlich, daß man sie gar nicht erst zu verstehen braucht.

Wer also versucht, sie zu analysieren, muß mit dem jovialen Vorwurf rechnen, er treibe etwas viel Aufwand an Geringem, und wenn er es daraufhin nicht bleiben läßt, muß er auf die Mahnung gefaßt sein, er solle die Leute gefälligst zufrieden lassen.