Still ruht der See

Der österreichische Landeshauptmann Wenzl ist ein standhafter Mann. Gegen die geschlossene Phalanx von Motorboot-, Segler-, Wirtschafts-, Herbergs- und Parteifunktionären setzte er einen Beschluß durch, der hohes Lob verdient: In den Monaten Juli und August sind die Salzkammergutseen Attersee, Traun- und Mondsee sowie der nordöstliche (oberösterreichische) Zipfel des Wolfgangsees für sämtliche privater Motorboote gesperrt. Die Salzburger Landesregierung folgte dem guten Beispiel und untersagte auf ihrem Teil des Wolfgangsees im Juli und August von 9.30 bis 16.30 Uhr und von 22 bis 6 Uhr jeglichen Motorbootverkehr.

Wasser-Rennfahrer können nun nur noch auf dem Wörther See und dem Ossiacher See ihre Kurven ziehen.

Zu solch mutigen Entschlüssen konnten sich die bayerischen Behörden – in deren Hoheitsbereich die meistfrequentierten Ferienseen liegen – bislang nicht aufraffen. Ein paar schüchterne Kompromisse brachten sie zu Papier, mehr nicht. Auf dem Chiemsee, Starnberger-, Ammer- und Tegernsee – um nur ein paar Beispiele zu nennen – hat man lediglich die Zahl der Motorboote kontingentiert, nach den Pferdestärken dieser Krawallinstrumente wird gar nicht erst gefragt. Auch von der Wasserverschmutzung durch Motorboote scheinen die Bayern nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Es ist offenbar schlecht bestellt um die Standhaftigkeit bayerischer Beamter gegenüber der Motorboot-Lobby. F. R.

Gängel-Band

Wie Beat-Fans, mit einem Kassetten-Recorder am Arm, werden in Zukunft deutsche Touristen durch US-Großstädte wandern – freilich nicht mit verklärten Augen und im Rhythmus der Janis Joplin, sondern suchenden Auges und festen Schritts. Pan American World Airways stellt US-Reisenden für 13 Mark Tonbänder zur Verfügung, deren Botschaft – Stadt-, rundgänge mit Beschreibung der Sehenswürdigkeiten – in deutscher Sprache per Kopfhörer aus einem Kassetten-Recorder empfangen werden, kann: „Vor sich sehen Sie das Capitol.“

Damit trotz der präzisen Beschreibung niemand vom Wege abkommt, wird zu dem Gängel-Band noch eine übersichtliche Stadtkarte mitgeliefert. Bevor der Wegweiser mit dem eigentlichen Stadtbummel beginnt, hält er in einem Prolog eine Geschichtsvorlesung über die betreffende Stadt. Außerdem gibt es nützliche Tips, zum Beispiel über die passende Wandergarderobe („in San Francisco kleidet man sich konservativ“), und erteilt wertvolle Ratschläge etwa fürs Shopping: „Decken Sie sich reichlich mit Zahlungsmitteln ein, wobei Sie natürlich Ihre finanziellen Verhältnisse berücksichtigen müssen.“ Mit dem Reiseleiter in der Hand kommt man zwar noch nicht durchs ganze Land, aber bislang durch New York, San Francisco und Washington. Andere Stadtkassetten sollen folgen.

Für Leute, die den Mann im Ohr nicht, mögen, stehen weiterhin Druckerzeugnisse zur Verfügung. Wer nicht hören will, muß lesen. W. R.