Die Prawda nannte es ein „Ereignis von großer internationaler Bedeutung“, das erneut die Nützlichkeit der Tradition bewiesen habe, wichtige Fragen der Weltpolitik gemeinsam zu behandeln. Für Rumänien, das als einziges Ostblockland fernblieb, war die überraschend einberufene Konferenz der Parteiführer auf der Krim dagegen eine neue Eskalation im Nervenkrieg, der freilich nach Bukarester Befürchtungen jederzeit in eine reale militärische Aktion einmünden kann.

Das umfangreiche Kommuniqué läßt erkennen, daß sich Moskau mit Blick auf Peking noch einmal der vollständigen und ideologisch bruchlosen Gefolgschaft seiner Ostblockpartner versicherte. Auf die mit der Krim-Konferenz verbundene Demonstration militärischer Stärke reagierte Rumänien, dessen Staats- und Parteichef Ceausescu die Einladung angeblich abgelehnt hat, sofort. Das Parteiorgan Scinteia verwarf „jede Demonstration der Stärke, jede militärische Drohung oder irgendwelchen Druck auf andere Staaten“. Ceausescu inspizierte anschließend die obersten Kommandos der rumänischen Streitkräfte. In Ungarn halten derweil ungarische, tschechoslowakische und sowjetische Truppen Manöver entlang der rumänischen Grenze ab.

Daß Rumänien einen selbständigen Weg gehen will, beweist auch das jetzt veröffentlichte wirtschaftliche „Komplexprogramm“, das die Comecon-Staaten im Juli in Bukarest beschlossen haben. Danach nach soll eine auf dem Rubel beruhende „kollektive (Ostblock-)Währung“ eingeführt werden, die die hinderliche und wachstumshemmende bilaterale Abrechnung via Moskau ablöst. Ungarische Quellen lieferten den Hintergrund: Rumänien hatte sich in Bukarest, offenbar erfolgreich, den Moskauer Plänen nach supranationalen Wirtschaftsorganen widersetzt.

Dem zweiten kommunistischen Außenseiter auf dem Balkan, Jugoslawien, wird der sowjetische Außenminister Gromyko im September einen Besuch abstatten. Tito, über die sowjetisch-rumänische Spannungen beunruhigt, legt allem Anschein nach Wert auf eine erneute Bestätigung der Belgrader und Moskauer Deklaration über die Souveränität aller kommunistischen Staaten. Zugleich warnte er Moskau: Er wisse um die sowjetische Unterstützung jugoslawischer Stalinisten die die Uhr zurückdrehen möchten. Diese Kräfte würden aber keinen Erfolg haben.