Von Kai D. Eichstädt

Fast fünf Monate dauerten in Washington die Auseinandersetzungen darüber, ob der größte amerikanische Rüstungskonzern, Lockheed, mit amerikanische vor dem Bankrott gerettet werden sollte oder nicht. Am Schluß siegten die Fürsprechen von Lockheed mit knapper Mehrheit: Im „House of Representatives“ hatten sie mit 192 gegenüber 189 Stimmen Erfolg; drei Tage später, im Senat, sprachen sich 49 von 97 Senatoren für die Rettungsaktion aus.

Freilich wird deshalb kein Cent aus der Staatskasse an die Lockheed-Zentrale nach Burbank überwiesen werden. Die Regierung hat sich lediglich bereit erklärt, neue Lockheed-Kredite bis zu einer Höhe von 250 Millionen Dollar den Gläubigern zu garantieren. Das dringend benötigte Geld müssen die Manager nun bei ihren Hausbanken beschaffen.

Ein Konsortium von insgesamt 24 Banken unter Führung der beiden amerikanischen Großbanken, Bank of America und Bankers Trust Co., hat Lockheed bereits 400 Millionen Dollar Kredit gewährt. Aber schon die letzten 50 Millionen sicherten sich die Bankbosse durch Hypotheken auf Lockheed-Grundbesitz und durch Beleihung der Aktien florierender Lockheed-Töchter.

Mit diesen 400 Millionen Dollar finanzierte Lockheed die Entwicklung des Airbusses L-1011 „TriStar“, der Jumbo-Komfort auch auf den inneramerikanischen Flugrouten bringen soll. Mit dem neuen Jet, von dem bereits drei Prototypen fliegen, will Lockheed wieder mit zivilen Kunden ins Geschäft kommen. Doch die 400 Millionen sind nur ein Teil der Summe, die von Lockheed bis jetzt in dieses Programm investiert wurden. Weitere Millionenbeträge mußten die Luftverkehrsgesellschaften und die Lieferanten der wichtigsten Bauteile vorstrecken.

Das Geld reichte dennoch nicht aus. Die Lockheed-Kasse war durch den Festpreisauftrag für das größte Transportflugzeug der Welt, die C 5A „Galaxy“, geleert worden. Unvorhergesehene technische Schwierigkeiten und eine Kosteninflation brachten die Rechnung der Lockheed-Planer durcheinander. Nachdem sich Lockheed und das Verteidigungsministerium zu Beginn des Jahres über die Aufteilung der Mehrkosten geeinigt hatten und dem Weiterbau der L-1011 nichts mehr im Wege stand, kam eine neue Hiobsbotschaft. Diesmal aus England.

Dort hatte inzwischen Rolls-Royce, der Lieferant der Düsentriebwerke für den TriStar, Bankrott gemacht. Erst nachdem Lockheed einer Preiserhöhung für das Triebwerk RB 211 zugestimmt hatte, war die englische Regierung bereit, die Entwicklung der Düse weiterzufinanzieren.