ZDF, Mittwoch, 4. August: „Zwischen uns beiden“, von Rhys Adrian

Bedeutsam der Anfang: Ein Mann vor einem Mädchenheim, Schritte auf dem Pflaster, zwei Korn und ein Bier in der Pinte, ein bißchen Mut angetrunken, noch einmal die Patrouille vor dem Heim, Blicke zu den erleuchteten Fenstern empor, irgendwo da oben muß ihr Zimmer sein. Das Mädchen hinter der Gardine, Schritte durch die Wohnung, ein Gang zum Plattenspieler, Sweet music erklingt im Asyl, der Mann unten kommt näher, das Mädchen oben rührt sich nicht.

Bedeutsam das Ende: Mann und Mädchen spielen Stellen wir uns vor, wir könnten noch einmal von vorn beginnen, man sagt Sie zueinander, spricht über das Wetter und hofft dabei, die Zärtlichkeit, des Spiels in die Realität hinüberreiten zu können, man mimt Jan und Jennifer aus dem „Guten Gott von Manhattan“, imitiert, im Stil des Pingpongmatchs zwischen Walter und Sabeth, die Diskussionen des „Homo Faber“ (aber grimmig, gehemmt und kleinbürgerlich), und dann sagt der Mann: Du hast nicht zufällig ’ne Zeitung mitgebracht?, die Erde hat ihn wieder, das Spiel war nur kurz, aber es ist noch nicht zu Ende (während die Schrifttafeln abrollen, reicht das Mädchen, sehr selbstverständlich und sehr zart, dem Mann die Brötchenhälfte hinüber), sondern wird weitergehen wie es begann: Große Distanz zwischen den beiden, Entfernung zwischen der Straße und dem verschlossenen Heim... und das auch dort, wo man, in der Straßenbahn oder am Tisch einer Kneipe, scheinbar nahe beieinander ist. Und immer die gleichen mürrischen (Liebe tarnenden), bösartigen (Angst verschleiernden) Statements: Ich hab’ dich nie geliebt, bin nur deinetwegen gegangen, es konnte irgendeiner sein. Sätze, die dann plötzlich umkippten, Zärtlichkeit und Sensibilität signalisierten: Trotzdem, es war doch schon eine Gemeinsamkeit, wie?

Und immer die gleichen Gesichter um die beiden herum, der Kontrapunkt ihrer Gespräche: Kleinbürgervisagen, Cafégrimassen (Ist hier noch ein Plätzchen frei?), die Alben und Mahre der öffentlichen Verkehrsmittel, bebrillte Nomen aus Neukölln und Moabit. Meisterlich die optische Entsprechung zwischen diesem bösen Aufgebot und der heranschwemmenden Fracht auf dem Fließband: das kam näher und ließ keine Lücke für den Ausbruch mehr frei.

Der einzige Fehler: Regisseur Roger Fritz drapierte den Dialog der Protagonisten (Helga Anders und Arthur Brauss, beide glanzvoll, Brauss in der Maske allenfalls etwas zu jung – da beide gleichaltrig schienen, kam die Behutsamkeit des Mannes, der das Mädchen nicht anrühren mag, zu wenig heraus) textgetreu mit Knallchargen-Szenen, in denen Polizisten zeigten, was ein rechter Bulle ist, und zwei Spree-Sapphos ein lesbisches Bilderbuchpaar darstellen durften. Schade. Das Spiel auf der einen Saite, bewegend durch die Nuancierung der Monotonie, hatte, zwischen dem wir wollen und dem aber wir können nicht Variationen genug; der melodramatischen Begleitmusik auf den anderen Saiten bedurfte es nicht. Momos