• Südvietnams Präsident Thieu kann aufatmen: Das Oberste Gericht des Landes hat seinen gefährlichsten Rivalen, Vizepräsident Ky, nicht als offiziellen Kandidaten für die Präsidentenwahl am 3. Oktober zugelassen. 39 der 102 von Ky beigebrachten Unterschriften der Provinzräte seien bereits Thieu gegeben worden und damit ungültig. Einziger Mitbewerber bleibt damit Exgeneral „Big“ Minh, der freilich gedroht hat, sich von der „Wahlfarce“ zurückzuziehen. Die Stimmung in Washington ist gespalten: Thieus Wiederwahl sichert die Vietnamisierung; auf der anderen Seite könnten die Unzufriedenen um Ky ihr Heil in einem Putsch suchen.

Die USA hatten in der vergangenen Woche die geringste Verlustzahl seit 1965. Mit dem Abzug von 1200 Mann Fallschirmtruppen ist die Zahl der GIs unter 220 000 gesunken. Die Meldung der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter, Hanoi wolle am 12. August 183 amerikanische Kriegsgefangene freilassen, wurde von beiden Seiten dementiert.

  • „So oder so“ werde der Nahostkonflikt noch in diesem Jahr gelöst, drohte der ägyptische Präsident Sadat zum zweitenmal innerhalb von vier Wochen. Weder Ton noch Inhalt seiner Rede waren neu; Beachtung erregte nur der Zeitpunkt: Kurz zuvor hatte der für Nahost zuständige US-Unterstaatssekretär Sisco eingestanden, seine Beratungen in Israel seien ein Fehlschlag. gewesen. Jerusalem habe alle Vorschläge abgelehnt, darunter den Plan einer vollständigen Räumung des Sinai in drei Stufen innerhalb von zwei Jahren.
  • Im Sudan jagt Staatschef Numeiri weiterhin, um sowjetische Proteste und ägyptische Bedenken unbekümmert, Kommunisten und Gewerkschaftler. 700 neue Verhaftungen wurden gemeldet. Demonstrativ lobte Numeiri die guten Beziehungen zur Volksrepublik China, die freilich Rebellen im Südsudan unterstützt. Kairo sieht mit gemischten Gefühlen zu: Zwar will es die Verbindung mit Khartum nicht abreißen lassen und erklärte auch Moskau unverblümt, daß es eine sowjetische Einmischung in seine inneren Verhältnisse nicht duldet; aber gleichzeitig wird die Befürchtung laut, die Sowjetunion könne ihre Hilfslieferungen an Ägypten drosseln.