Mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ist nun zu Ende. Rückschauend halte ich es für wichtig, über meine Erfahrungen zu berichten und Kritik zu üben.

Zunächst: Was heißt eigentlich „freiwillig“? So ganz freiwillig meldet sich niemandzum FSJ. Die große Mehrheit sucht, genau wie ich es tat, eine sinnvolle Übergangslösung als Vorbereitung für den späteren sozialen Beruf. Ich will Krankenschwester werden und war nach Abschluß der Mittelschule noch zu jung. Was also lag näher, als mich zum FSJ zu melden, denn eine gleichwertige Alternative gibt es leider nicht. Es ist leicht, eine Einrichtung, die konkurrenzlos dasteht, freiwillig zu nennen. Wenn man freiwillig etwas tut, so sollte das kein Freibrief zur Ausnutzung, billiger Arbeitskräfte sein. Manchmal hatte ich dieses Gefühl, denn die Bedingungen sind hart:

Unsere Gruppe, arbeitete in einer Klinik, 44 Stunden in der Woche, und nur an jedem zweiten Wochenende und an jedem zweiten Mittwoch hatten wir frei. Die Überstunden will ich gar nicht erwähnen. In einer Klinik kann man nur selten pünktlich Feierabend machen.

100 Mark Taschengeld bekamen wir monatlich und einen Verpflegungssatz von drei Mark sechzig für die freien Tage. Obwohl Unterkunft und Verpflegung an Arbeitstagen frei waren, reichte das Geld nicht einmal für das Notwendigste. Warnung an Mädchen, deren Eltern mit dem Pfennig rechnen müssen: ohne elterlichen Zuschuß kommt man nicht aus!

Weitere Ärgernisse, jedes für sich zwar nur eine Kleinigkeit, aber alle zusammen doch recht bedrückend:

Wie im Prospekt vermerkt, machten wir eine einwöchige Studienreise nach Berlin. Das war jedoch weder ein Geschenk noch Urlaub: Wir mußten uns mit 50. Mark an den Kosten beteiligen, und sechs gesetzliche Feiertage wurden uns gestrichen.

Für eine Weihnachtsfeier war kein Geld da. Daher mußte bei den umliegenden Betrieben um Spenden gebeten werden. Der Erfolg wir dürftig.