Präsident Nixon hat mit seinen Maßnahmen zur Rettung der amerikanischen Konjunktur und des Dollar die Weltbörsen wieder in Bewegung gebracht. Die ersten Reaktionen auf die neue Politik der USA waren logisch: Feste Börsen in den USA selbst, wo man bereit ist, an einen Aufschwung zu glauben; Kurszusammenbrüche an der Tokioter Börse, wo bis dahin mit kleinen Unterbrechungen ein Hausse-Rausch geherrscht hatte – und rückläufige Kurse deutscher Aktien, deren Stabilität den Wertpapieranalytikern ohnehin Rätsel aufgab.

Der Anleger in der Bundesrepublik steht vor neuen Rätseln. Soweit er nicht den Mut hat und trotz vieler offener Fragezeichen (besonders auf der Währungsseite) ein Engagement in US-Aktien wagt, scheint Liquidität jetzt das Gebot der Stunde zu sein. Es wäre nach meiner Ansicht allerdings falsch, Liquidität durch Verkauf von Aktien und Renten zu schaffen. Nur: Wer liquide ist, sollte sich mit dem Anschaffen von Wertpapieren nicht unbedingt beeilen.

Vieles spricht dafür, daß irgendwann im Herbst die Bundesbank ihre restriktive Politik lockern wird. Die neuerliche Aufwertung von mehr als acht Prozent in Verbindung mit den amerikanischen Maßnahmen wird die Konjunkturabkühlung beschleunigen, aber auch die Gewinne vieler Unternehmen noch mehr als bisher belasten. Aber es gibt auch Aufwertungsgewinnler: Das sind mit Sicherheit die Kauf- und Versandhäuser. Wer Aktien kauft, sollte sich im Augenblick auf diesen Bereich beschränken.

Am Rentenmarkt waren die Versuche, den Achtprozenter zu halten, bisher erfolgreich. Dennoch läßt der schleppende Absatz der neuen Inlandsanleihen darauf, schließen, daß noch gewisse Aussichten auf eine etwas höhere Rendite vorhanden sind. Also auch hier besteht kein Grund zur Eile.

Immer mehr Leser stellen die Frage, ob der Besitz festverzinslicher Wertpapiere angesichts einer zu erwartenden Inflationsrate von sechs Prozent überhaupt noch vertretbar ist. Diese Frage ist um so berechtigter, als sehr viele Rentenbesitzer ja nicht nur den Kaufkraftverlust auf sich zu nehmen haben, sondern die Zinsen aus diesen Papieren noch als Einkommen versteuern müssen und teilweise auch Vermögensteuer zahlen.

Hier tritt der seltene Fall ein, daß der Fiskus – von seinem Bürger verlangt, auf die Verluste, die der Staat durch seine Wirtschaftspolitik verursacht, auch noch Steuern zu zahlen.

Es ist kein Wunder, wenn sich immer mehr Anleger auf die Suche nach „wertbeständigen Anlagen“ begeben. Aktien fallen nicht unbedingt darunter. Daher die Flucht in die Eigenheime und Eigentumswohnungen. Sie sind teuer. Nicht nur wegen der hohen Boden- und Baukosten, sondern auch wegen der ansehnlichen Verdienstspannen, die von den Verkäufern dieser Objekte aufgeschlagen werden.