Richard Nixon hat dem internationalen Währungssystem einen Schlag versetzt, den es nur schwer verkraften wird. In der Nacht zum 16. August kündigte der Präsident der USA an, seine Währungsbehörde werde künftig keine Dollars mehr in Gold umtauschen. Damit bewahrte er die amerikanische Zentralbank, das Federal Reserve System, vor der Zahlungsunfähigkeit. Und er gab die amtliche Bestätigung dafür, daß das Mißtrauen, in den Dollar berechtigt ist.

Seit langem haben die Währungsbehörden vieler Länder Dollar statt Gold in ihren Tresoren angesammelt – im stillen Vertrauen auf das amerikanische Versprechen, jederzeit Dollar gegen Gold umzutauschen. Dieses Vertrauen wurde nun schlecht belohnt.

1944 Dabei ist die dominierende Rolle des Dollar nirgends schriftlich fixiert. Doch als im Juli 1944 im Badeort Bretton Woods an der amerikanischen Ostküste der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet wurde, konnte niemand etwas von einem Dollarproblem ahnen. 44 Länder unterzeichneten die IWF-Statuten und gelobten damit, das Grundgesetz der internationalen Währungsordnung zu respektieren.

Die Experten im Mount-Washington-Hotel hatten sich in nur 22 Tagen auf die wichtigsten Spielregeln geeinigt: fixe Wechselkurse und freie Austauschbarkeit (Konvertibilität) der Währung gen. Die Unze Gold sollte künftig 35 Dollar kosten. Ein Preis, der sich bis heute offiziell nicht geändert hat.

1945 Die große Zeit des Dollar brach bereits 1945 nach dem Ende des Krieges an. Die Kapazität der amerikanischen Wirtschaft hatte sich während des Zweiten Welkrieges fast verdoppelt, die Exporte nach dem zerstörten Europa nahmen schnell zu. Doch hier war der Dollar knapp. Europäische Regierungen zahlten Preise für die begehrte Währung, die über der offiziellen Parität lagen. Alles sprach von der „Dollarlücke“, dem weltweiten Mangel an amerikanischen Devisen.

1948 starteten die USA ihr ERP-Hilfsprogramm: Ein Strom von über 16 Milliarden Dollar (bis 1952) floß nach Westeuropa. Damit kamen die wertvollen Dollar auf den alten Kontinent, ohne daß die USA ein Währungsrisiko eingegangen wären.

Denn auch wenn die Dollarlücke schmaler wurde, so war Europa doch nach wie vor Amerikas Schuldner. Das internationale Währungssystem funktionierte – dank der Leitwährung Dollar. Und der Dollar war durch die reichen amerikanischen Goldschätze von Fort Knox abgesichert.