Von Werner Ross

Als Dreißigjähriger hatte er den großen Erfolg: Der Buchbinderssohn aus Osnabrück, der als Junglehrer, Reklamemann, Scherl-Redakteur bescheidene Karriere gemacht hatte, schrieb mit „Im Westen nichts Neues“ das Erlebnis- und Bekenntnisbuch einer ganzen Generation. Er nannte sich nun dichterisch „Erich Maria“ statt bürgerlich „Erich Paul“ und siedelte, noch ehe die Nazis kamen, nach Ascona über.

Nach 1933 mußte er sich, von seinem deutschen Publikum abgeschnitten, umstellen. Er ging in die USA, lernte die Filmarbeit, heiratete Paulette Goddard und fand sein zweites großes Sujet: Menschen im Exil. Er wurde kein Exilschriftsteller, trotz der politischen Nebenwirkungen seines Kriegs-Bestsellers: also nicht, bei allem Zwang der Einwurzelung im Gastland, weiter dem Geschehen im Heimatland zugewandt. Er nahm vielmehr vom Exil das Exotische, schöpfte von den Emigrantenschicksalen den Rahm des Abenteuers ab, machte Bestseller diesmal für ein internationales Publikum. In Amerika und bei der Filmarbeit lernte er manches hinzu: schnelle Szenarios, Repliken-Geplänkel, Rollenverteilung. Ein guter Fabulierer war er schon von Hause aus, also ging es auch gut mit „Are de Triomphe“ und immer noch gut mit „Nacht in Lissabon“.

Nun ist, wie auf dem Waschzettel zu lesen, postum der „letzte große Remarque“ erschienen–

Erich Maria Remarque: „Schatten im Paradies“, Roman; Verlag Droemer Knaur, München; 400 S., 25,– DM.

Schon steht er auf der Bestsellerliste, und was die Rezensenten dazu sagen, ficht den Erfolg des Buches und die Ruhe des Autors, der im vergangenen Jahr starb, nicht mehr an.

Man könnte also „Schatten im Paradies“ getrost seinen hohen Auflagen, seinen Übersetzungen in andere Sprachen, seiner Verfilmung und allen anderen Schicksalen, die Bücher haben, überlassen, wenn nicht doch an den Fall Remarque und an dieses letzte seiner Bücher einige kritisch-wehmütige Bemerkungen anzuknüpfen wären.