Was lange Zeit nur ein Wort war, wird auf einmal geladen mit Bedeutung, mit Erlebtem angereichert, mit Emotionen, auch mit Ressentiments. Die Berufs-Philologen widmen diesem Vorgang weniger Aufmerksamkeit, als er verdiente. Sie versäumen damit eine Chance, die so viel geforderte Beziehung zur „Gesellschaft“ dort wahrzunehmen, wo sie sich anbietet.

Nehmen Sie zum Beispiel „Rauschgift“. Auf Haschisch angewandt (was ja dauernd geschieht), reiht sich dieses Wort in die Klasse der Hyperbeln der Übertreibungen ein. Stoffe mit den Eigenschaften von Haschisch hat man zuvor im Deutschen nicht „Gift“ genannt; der Begriff war für tödliche Substanzen wie Zyankali und Arsen reserviert. Aber das Wort „Rauschgift“ hat sich durchgesetzt, wo selbst die amerikanischen Eiferer und Erfinder des Opiumgesetzes nie von „poison“ (Gift), sondern immer nur von „drugs“ (Drogen) sprechen.

Die hyperbolische, die übertreibende Verwendung eines Wortes überrascht im Deutschen nicht. Sie scheint unserer Natur, unserem Sprachgebrauch angemessen.

Um so erstaunlicher ist das Wort „Umweltverschmutzung“ für durchaus tödliche Flüssigkeiten, die in Ströme und Seen, tödliche Gase, die in die Luft gelassen werden, Arsen, das auf den Müll gekippt wird.

Die Verwirrungen und Mißverständnisse, die unsauberer Wortgebrauch nach sich zieht und für die das Wort „Rauschgift“ viele Beispiele liefern könnte, bleiben denn auch bei dem Wort „Umweltverschmutzung“ nicht aus.

Als große Verschmutzer der Umwelt wurden in letzter Zeit die Hunde entdeckt. Und sie sind es wahrhaftig – hier ein Seechen, da ein Kuddel, immerzu! Hundefreunde sollten, wo irgend möglich, herangezogen und zur Kasse gebeten werden, um die jeweiligen Umwelten wieder zu entschmutzen.

Aber mit dem, was als „Umweltverschmutzung“ neuerlich – und mit Recht – unter die kriminellen Tatbestände eingereiht werden soll, haben die treuen Vierbeiner nichts zu tun.