Der englische Mischkonzern Lonrho (Umsatz: 1,6 Milliarden Mark) ist berühmt für riskante Investitionen: Mit dem Aufkauf von Kupfer- und Goldminen in politisch und wirtschaftlich unstabilen Ländern Afrikas wurde der Konzern reich. In der vergangenen Woche sicherte sich Lonrho eine Goldmine am Bodensee – die Briten kauften für rund 133 Millionen Mark die Wankel GmbH.

Der Verkauf war keine Überraschung. Es ist schon seit Jahren bekannt, daß Felix Wankel und Ernst Hutzenlaub, die bisherigen Eigentümer, verkaufen wollen. Überrascht hat, daß Lonrho und nicht einer der etablierten Autokonzerne zu-

Lonrho hat sich damit 40 Prozent aller Lizenzeinnahmen aus den Wankel-Patenten gesichert. Gleichzeitig haben die Engländer jetzt eine gleichberechtigte Stimme bei der Vergabe neuer Lizenzen. Der Partner bei der Lizenzvergabe ist die VW-Tochter Audi NSU AG. Audi NSU hält die restlichen 60 Prozent der Wankel-Patente und kassiert auch 60 Prozent der Lizenzeinnahmen. 70 Prozent der von Audi NSU kassierten Gelder müssen allerdings an die NSU-Genußscheininhaber ausgeschüttet werden.

Obwohl der Wankelmotor die einzige revolutionäre Neuentwicklung für Verbrennungsmotoren ist, sind seine Zukunftsaussichten noch umstritten. Die Pessimisten geben dem Kreiskolbenmotor nur geringe Außenseiterchancen. während die Optimisten ihn für den Motor der Zukunft halten. Für einen Wankelerfolg sprechen die einfache und leichte Bauweise sowie der vibrationsfreie Lauf. Gegen den Kreiskolben spricht, daß es bisher noch nicht gelungen ist, einen unter allen Umständen zuverlässigen und einen so wirtschaftlich wie der Hubkoloenmotor arbeitenden Wankelmotor zu entwickeln.

Das Interesse an der deutschen Erfindung ist seit 1958 stetig gewachsen. Heute gehören zwanzig Firmer, zum Wankel Klub. General Motors, der größte Konzern der Welt, sicherte sich kürzlich für 50 Millionen Dollar die erste Voll-Lizenz. Vor dem Vertragsabschluß hatte auch GM mit dem Gedanken gespielt, die Wankel GmbH zu kaufen. Im Gegensatz zu den anderen Lizenznehmern zahlt GM keine produktionsabhängigen Lizenzgebühren.

Zu den Lizenznehmern gehören Produzenten von Automotoren, Schiffs- und Dieselmotoren, stationären Motoren und Flugzeugmotoren. Die höchste Produktion mit etwa 100 000 Automotoren im Jahr hat heute der japanische Konzern Toyo Kogyo (Automarke: Mazda).

Lonrho will in Entwicklungsgesellschaften, die gemeinsam mit potenten Autoproduzenten gegründet werden sollen, die Auswertung der Wankel-Patente vorantreiben. rod