Eine halbe Million Mark, 9200 Befragte: Es ist die größte Bevölkerungsbefragung, die bisher über das Freizeitverhalten einer Region gemacht wurde. Und diese Untersuchung von Emnid (in enger Zusammenarbeit mit dem Freizeitsoziologen Professor Scheuch) ist das erste Ergebnis einer Maßnahme des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk: Der Planungsverband der Ruhrstädte gibt von mindestens 100 Millionen, die für den Ausbau von fünf Revierparks vorgesehen sind, etwa ein Prozent für wissenschaftliche Grundlagenuntersuchungen über das Freizeitverhalten der Bevölkerung aus.

Aber gerade bei der so wichtigen Frage, wie die Revierparks ausgestattet werden sollen, diese neu zu schaffenden Parkanlagen mit Sport- und Spielgelegenheiten für jedermann, Bädern mit erwärmtem Wasser, Restaurants, wird das Gutachten dem Auftrag kaum gerecht. Hier wurden die Antworten so ausgewählt, daß der Wunsch nach einem breiten, alle Freizeitbereiche umfassenden Angebot entsprechend der Konzeption des ersten Revierparks in Herne zwangsläufig bestätigt werden mußte.

Der Befragte hatte als Ort zum Beispiel für Allgemeinbildungskurse oder Bühnenveranstaltungen die Wahl, sich zwischen in der Wohnung beziehungsweise im Garten, auf dem Spiel- und Sportplatz, im Klubhaus beziehungsweise Restaurant, in der größeren Parkanlage, im großen Sport- und Spielpark, in der freien Natur oder aber im großen Freizeithaus zu entscheiden. Als letzte Möglichkeit blieb noch keine Antwort. Sämtliche acht Möglichkeiten ließen demjenigen, der zum Beispiel Bühnenveranstaltungen in einem städtischen Schauspielhaus, Kurse in der Volkshochschule vorzieht, keine Chance, diesen Wunsch auszudrücken.

Selbst die Flucht in die Kategorie keine Antwort wird von Emnid noch anders interpretiert. So lesen wir: „Trotzdem waren große, zum Teil sehr große Teilgruppen oder Mehrheiten nicht in der Lage, eine Anzahl von Fragen dieser Art zu beantworten. Die Größe der Nichtantwortquoten für bestimmte Freizeitgebiete ist aufschlußreich. Keine Antwort gaben auf die folgenden Freizeitbetätigungen für Allgemeinbildungskurse 64 Prozent, musische Beschäftigung 60 Prozent, Bootsfahrten 53 Prozent, Diskussionen 52 Prozent und Bühnenveranstaltungen ebenfalls 52 Prozent. Daraus wird nun der Schluß gezogen, die Tätigkeiten, die am meisten genannt würden, nämlich Wandern, Spazierengehen, Spiel und Sport und Baden und Schwimmen, seien die beliebtesten Freizeittätigkeiten. Auf die Idee, daß die Menschen vielleicht ganz andere Arten von Freizeitbeschäftigung vorziehen, ist man bei Emnid offensichtlich nicht gekommen.

Bei der Aufstellung der Kategorien hat Emnid ganz bewußt das urbane Freizeitverhalten von vornherein ausgeschlossen und sich sehr stark auf die Freizeit im Grünen beschränkt. Die Folgerung aus dieser Frage, daß im großen „Freizeithaus“ Bühnenveranstaltungen von 36 Prozent und Allgemeinbildungskurse von 20 Prozent der Bevölkerung gewünscht würden, ist absolut unzulässig, da überhaupt keine Möglichkeit bestand, außer keine Antwort und Freizeithaus hier eine sinnvolle andere Antwort anzukreuzen.

Auch die Prognose des Verkehrsaufkommens für die Revierparks dürfte dem Auftraggeber nicht viel helfen. Über die Hälfte der Befragten hatte vor der Befragung von den geplanten Freizeitparks noch nichts gehört. Ihnen wurde dann ein Bild gezeigt und die Vorzüge solcher Parks erklärt. Sie wurden dann gefragt, wie oft sie einen solchen Park wohl aufsuchen würden, wenn er in 15 Fahrminuten von ihnen zu erreichen sei. Sie hatten die Möglichkeit, sich, zwischen den Kategorien: mehrmals in der Woche, wöchentlich ein- bis zweimal, etwa alle Woche, öfter im Monat, seltener, vielleicht in monatlichen Abständen und kommt alles nicht in Betracht zu entscheiden.

Wenn man bedenkt, daß der Bürger wohl kaum eine überregionale Einrichtung wöchentlich, also 52mal im Jahr besucht, stellt sich schon hier heraus, daß die Kategorien von vornherein zu hoch angesetzt worden sind. Die Möglichkeit, seltener als in monatlichen Abständen den Revierpark zu besuchen, war gar nicht vorgesehen. Wieder also ein erheblicher Fehler in den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, wodurch eine höhere zukünftige Nutzung der Revierparks vorgetäuscht wird.