Von Dev Murarka

Moskau, im August

Der Freundschaftsvertrag zwischen Indien und der Sowjetunion verstärkt und institutionalisiert das sowjetische Engagement auf dem Subkontinent. In gewisser Weise ist er ein erstes Nebenprodukt von Kissingers jüngster Asienreise.

Die Vorarbeiten an dem Vertrag waren schon seit geraumer Zeit im Gange. Den letzten Anstoß zum Vollzug gaben am Ende jedoch die amerikanischen Avancen gegenüber Peking und vor allem Kissingers Besuch in Neu-Delhi unmittelbar vor seinem geheimnisvollen Abstecher nach China. Anscheinend hat der Sicherheitsberater Nixons durch seine bullige Art alle Gesprächspartner in Neu-Delhi vor den Kopf gestoßen. Die indische Führung fühlte sich jedenfalls bestärkt in ihrem Glauben, daß die Kriegsdrohungen Pakistans, das von Washington noch mehr als von China unterstützt wird, ernstgenommen werden müssen.

Es entbehrt nicht der Ironie, daß es der republikanische Präsident Eisenhower war, der Indien einst wegen seiner Beziehungen zu China und seiner „unmoralischen“ Blockfreiheit gebrandmarkt hatte. Mehr als ein Jahrzehnt danach hat jetzt eine andere republikanische US-Regierung Indien ermahnt, nichts zu unternehmen, woran Peking Anstoß nehmen könnte. Das brachte Neu-Delhi jetzt dazu, Amerikanern und Chinesen klarzumachen, daß Indien nicht ohne Unterstützung dasteht und seine nationalen Interessen nicht einfach deswegen preisgibt, weil es zwei plötzlich versöhnten Weltmächten passen könnte.

Die Sowjets haben den Vertrag mit Indien aus verschiedenen Gründen gewollt und gutgeheißen. Sie hatten in der Vergangenheit erfolglos versucht, Pakistan aus seiner Allianz mit China herauszulocken. Ganz im Gegenteil hat Pakistan, als sich die chinesisch-amerikanische Annäherung abzeichnete, sein altes Bündnis mit Washington erneuert. Die Russen hätten daher – ohne ein Arrangement mit Indien – ganz Südostasien abschreiben müssen.

Als Ayub Khan von Yahja Khan gestürzt wurde, bemühte sich Moskau um die Freundschaft des neuen Mannes – in der trügerischen Hoffnung, daß er sich von China lossagen werde. Bald ging den Sowjets jedoch auf, daß Yahja sich bloß auf ihre Kosten Vorteile verschaffen wollte. Die rasche Verurteilung seines Unterdrückungsfeldzuges gegen die nationalistischen Kräfte in Ostbengalen war eine direkte Folge dieser unangenehmen Erfahrungen.