ARD, Montag, 16. August: „Die Fernsehdiskussion“

Der gute Vorsatz des Bayerischen Rundfunks war es wohl gewesen, für die Dauer, einer Fernsehdiskussion jenen immer gewünschten Zustand herzustellen, in dem Politiker und Wissenschaftler uns Arm in Arm einer lichten Zukunft entgegenführen. Was haben Wissenschaftler den Politikern zu sagen und Politiker den Wissenschaftlern, wenn es um eine so komplexe Frage wie die der „Brutalität in unserer Gesellschaft“ geht, eine Frage, die trotz ihrer theoretischen Komplexität unmittelbares praktisches Handeln verlangt?

Sie haben sich, wenn man diese Diskussion als Symptom nimmt, nichts zu sagen.

Die Politiker (der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kohl, Nordrhein-Westfalens Innenminister Weyer Münchens Polizeipräsident Schreiber) zeigten sich verständlicherweise beunruhigt von der Zunahme der Gewaltverbrechen in den letzten Jahren. Sie beschäftigt die Frage, wieviel Polizei man braucht für eine wirksame Prävention und wie diese Polizei sich innerhalb der Gesellschaft verstehen darf.

So profan geht es natürlich in der Wissenschaft nicht zu. Da war Arno Plack, Philosoph und Sozialpsychologe, der in von vornherein beleidigtem Ton auf sein Buch verwies, in dem er mit der gebotenen Ausführlichkeit die These ausgebreitet habe, daß sich Aggressivität einem frustrierten oder lieblosen Sexualleben verdanke; und daß die Lieblosigkeit sicherlich daher rühre, daß die Säuglinge ungenügend gestillt werden.

Der Sozialpsychologe Hans Kilian dagegen vertrat die nur allzu einleuchtende, wenn auch weniger erleuchtende Meinung, die Menschen würden aggressiv, wenn man sie in Konfliktsituationen bringe, die sie anders als aggressiv nicht lösen können.

Und der Verhaltensforscher Otto König, ganz im Konrad-Lorenz-Look, erzählte von seinen Reihern. Diese nämlich, in Käfige gesperrt und erstklassig versorgt („der perfekte Sozialstaat“), hätten alle Zeichen einer Wohlstandsverwilderung entwickelt, Gereiztheit und Kindermißhandlungen und (pfui) sogar Dreierverhältnisse, wohingegen eine unversorgte Kontrollgruppe ordentlich geblieben sei, weil sie nämlich zu viel zu tun gehabt habe, als daß sie derart hätte verludern können.