Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV) blickt in eine düstere Zukunft: Wenn die Preise für die Lebenshaltung in den kommenden beiden Monaten nicht unter der Julirate von 3,4 Prozent bleibe, so werde zum Herbst auch die Sechs-Prozent-Schwelle überschritten. Schon heute – bei einem Preisanstieg um rund 5.5 Prozent – sei ein 1000-Mark-Schein vom letzten Sommer 50 Mark weniger wert.

Die Chance für ein baldiges Ende des Preisauftriebs ist gering, denn die nächste Preiswelle steht an: Teurer werden das Wohnen einschließlich Strom, Heizung und Müllabfuhr sowie die Kfz-Haltung. Die Konsumgüterindustrie hat für viele Produkte Preiserhöhungen angekündigt. Die Defizite von Bahn und Post lassen weitere Gebührensteigerungen erwarten, und nicht zuletzt droht ein weiterer Preisschub von der Grünen Front.

Vor dieser trüben Aussicht erreichen die bundesdeutschen Verbraucher jetzt einige Lichtblicke. Die beiden Versandhausriesen, Quelle and Neckermann, haben jüngst ihre neuen Herbst/Winterkataloge vorgelegt. Die Wälzer von Quelle (Auflage: 6.3 Millionen) und Neckermann (Auflage: 5 Millionen) versprechen für die nächsten Monate Preisstabilität – und Kampf gegen den Preisauftrieb.

Quelle-Chef Gustav Schickedanz: „Wir werden den von vielen als unumgänglich hingenommenen Preisauftrieb unterlaufen.“ Der Fürther Versandhäusler erhöhte den Importanteil am Katalogangebot von 30 auf 35 Prozent. Und Josef Neckermann möchte auch weiterhin Rationalisierungsgewinne über den günstigsten Preis an „unsere Kunden“ weitergeben. Die Neckermann-Preise verteuerten sich im Schritt um 1.9 Prozent. Billige Hongkong-Importe machten es möglich.

Die AGV begrüßt denn auch die Bemühungen der Versandhäuser um Preisstabilität, wenngleich ihr Anteil am Einzelhandelsumsatz nur 4,5 Prozent beträgt. Sie appelliert daher an die Verbraucher, ihrerseits – durch Preis- und Warenvergleiche bis hin zum Kaufverzicht – zur Preisstabilität beizutragen.

gf