Mit der Bekanntgabe des Dollar-Sanierungsprogramms ist für die internationalen Anleger eine neue Situation eingetreten. Nach den Rückschlägen, die von den amerikanischen Börsen in den vergangenen Wochen hingenommen werden mußten, könnte es jetzt eine kräftige positive Reaktion geben. Aber Vorsicht, die Kurse werden sich dort nicht auf einer Einbahnstraße nach oben bewegen. Es muß abgewartet werden, wie sich Nixons neue Maßnahmen auf die Unternehmensgewinne auswirken. Der vorläufige Preisstopp läßt vermuten, daß hier der Spielraum relativ eng bleibt. Immerhin könnte der Lohnstopp bewirken, daß etwaige Rationalisierungsgewinne künftig den Unternehmen zugute kommen und nicht von den Gewerkschaften in Form von Lohnerhöhungen abkassiert werden.

Bei allem berechtigten Optimismus ist weiter zu berücksichtigen, daß US-Aktien, wie unsere Tabelle zeigt, nicht gerade billig sind. Wahrscheinlich müssen sogar einige Gewinnschätzungen trotz des Schutzwalls, den die US-Regierung mit der zehnprozentigen Importsteuer für ganze Industriezweige gebaut hat, noch nach unten korrigiert werden, wie dies in den letzten Wochen bei so prominenten Papieren wie Dow Chemical und IBM bereits der Fall gewesen ist.

Die vorläufige „Lösung“ der Dollar-Krise hat an der Tokioter Börse einen ungewöhnlichen Kurssturz ausgelöst, der in unserer Tabelle noch nicht zum Ausdruck kommt. Im übrigen war die Tokioter Börse bereits in den letzten Wochen überaus nervös. Importbeschränkungen der US-Regierung waren zu erwarten. Deshalb zielt das japanische Regierungsprogramm auf eine Belebung der Binnenkonjunktur. Deshalb waren Bauwerte und Kaufhausaktien von der unmittelbar nach Verkündung der amerikanischen Importrestriktionen eingekehrten Baisse weniger in Mitleidenschaft gezogen als beispielsweise die japanischen Autoaktien.

Eine gewisse Zuversicht bleibt auch in der veränderten Lage für englische Aktien bestehen. Der Regierungspolitik in Sachen Konjunktur gewährt man in London weiterhin Vorschußlorbeeren. Tatsächlich ist der Ausgangspunkt für eine Wiederbelebung der englischen Wirtschaft günstig. Der Juli-Überschuß der englischen Zahlungsbilanz sowie die Bemühungen der englischen Regierung, mit dem Streikunwesen aufzuräumen, haben englische Aktien auch für internationale Anleger wieder interessant gemacht.

Eine Enttäuschung waren wiederum die holländischen Aktien, von denen sich lediglich Unilever behaupten konnte. Die niederländische Fluggesellschaft KLM erlebte einen Kurssturz ihrer Aktien, eine Reaktion auf die schlechte Ertragslage aller Flugunternehmen, die stark in der Nordatlantik-Route engagiert sind. Der relativ günstige Zwischenbericht von Royal Dutch hat den Kurs der Aktien unberührt gelassen. Philips-Aktien erreichten neue Tiefstkurse. Daß der neue Zwischenbericht düster sein würde, wußte man in „informierten“ Kreisen seit Wochen.

K. W.