Hannover Bis zum 5. September, Kunstverein: „Jasper Johns“

Sein Name wird bei uns mit Respekt genannt, er ist einer der Initiatoren von Pop Art, neben Rauschenberg eine Schlüsselfigur für die Kunst der 60er Jahre, amerikanische Kritiker überschlagen sich vor Begeisterung, Barbara Rose ist von seiner „Genialität und Authentizität’ überzeugt. Aber während in der Bundesrepublik längst alle auch nur halbwegs bekannten Amerikaner vorgestellt und auf dem Kunstmarkt eingebürgert würden, hat man Jasper Johns selten und zu wenig gezeigt, ein paar Bilder auf der III. und der IV. documenta Schade, der richtige Zeitpunkt für eine Erstausstellung ist verpaßt, Jasper Johns kommt fünf Jahre zu spät Jetzt kennt man das alles schon von Rauschenberg, Indiana, Oldenburg, Jim Dine, auch wenn er für das meiste die Urheberschaft beanspruchen kann. Die Frage der Priorität interessiert den Historiker, für den Konsumenten ist sie ziemlich belanglos. Ein weiteres Handikap: in Hannover sieht man nur die Graphik, die gesamte Graphik allerdings, 130 Blätter von 1960 bis 71. Die Druckgraphik ist für Johns von erheblicher Bedeutung, aber sie setzt spät ein, sie repetiert die Themen und Probleme, die ihn vorher, in seiner ersten schöpferischen oder revolutionären Phase, in den frühen Bildern beschäftigt haben. Er reproduziert seine Bilder, seine Objekte, seine Ideen und Motive, er transponiert sie ins graphische Medium, die Fahne, die Taschenlampe, die Glühbirne und Kleiderbügel. In der Lithographie stellt er keine realen Bierbüchsen dar, sondern die beiden Bierbüchsen, die er früher modelliert und bemalt hat. Er versteht die Graphik als Instrument, sich die Wirklichkeit vom Leib zu halten, als Identifikationssperre zwischen Ding und Bild: „Einen Gegenstand nehmen. Etwas an ihm tun. Etwas anderes an ihm tun.“ Diese zweite Veränderung am Gegenstand geschieht in der Graphik. Am simplen Motiv der Zahlenreihe exemplifiziert er – in drei Auflagen – durch das Drucken auf weißes oder graues Papier oder auf Makulatur, durch Veränderung der Grundfarben, durch Hinzunahme linearer Strukturen die unendliche Variabilität des scheinbar Gleichen. Ein mißglückter Druck liefert neues Arbeitsmaterial, die Umstände des Mißglückens werden graphisch fixiert und bilden eine zusätzliche Variante des Motivs. Die Pop Art hat seine Gegenstände übernommen, die Bierbüchsen, Glühbirnen, Schuhe, auch die Zahlen, als reale Fakten und Trivialobjekte, während Jasper Johns sie nur als Auslöser betrachtet, als die ersten Glieder unendlicher Reihen.

Köln Bis zum 9. September, Galerie Müller: „Antony Donaldson“

Der englische Konstruktivist hat die Richtung gewechselt, jetzt debütiert er als Porträtmaler. Man sieht zehn Porträts von seinen Freunden, die Maler Rusha und Robert Graham sind dabei, auch ein paar Frauen. Aber während sich üblicherweise die Aufmerksamkeit auf das Gesicht konzentriert, schreibt Donaldson, „zeige ich den kleinen Ausschnitt um die Mitte des Oberkörpers, das Hemd statt des Gesichts“. Graham liebt weite dunkelblaue Hemden, sein Sohn knallrot karierte, Patricia trägt Rosa mit hellblauem Blusenausschnitt. Die textilen Gewebe, Dessins, feine und knautschige Falten im Stoff, ein bißchen Hals, ein Dekolleté werden zu einem farbig exzellenten autonomen Ensemble verarbeitet, das rätselhafte und prägnant detaillierte Gebilde steht im Zentrum eines sehr großen monochromen Bildquadrats.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden Bis zum 26. September, Kunsthalle: „Horst Antes“