Die Personalnot der Bundeswehr ist langfristig mit Aushilfsmaßnahmen nicht zu lösen. Nur eine von Grund auf neue Personalstruktur der Streitkräfte kann Besserung bewirken. Diese Einsicht liegt dem Bericht der Personalstrukturkommission der Bundeswehr zugrunde – und dem kühnsten Modernisierungsprogramm, das der deutschen Armee seit Scharnhorst und Gneisenäu zugemutet worden ist.

Der Bericht – der fünfte in der Reihe der Bestandsaufnahmen, die unter der Ägide Helmut Schmidts vorgelegt worden sind – ist 183 Druckseiten stark, reichhaltig mit Statistik ausgestattet, mit soziologischem Material und mathematischen Formeln gepolstert (Beispiel: „Die mittlere Verweilzeit im Range reines Neu-Eintretenden ist crvr – ΣPr,i). Seine Vorschlage sind revolutionär und unter Umständen wegweisend für den gesamten öffentlichen Dienst:

  • Die herkömmliche Gliederung der Streitkräfte in Dienstgrade (Mannschaften, Unteroffiziere, Offiziere) wird nach funktionellen Gesichtspunkten neu geordnet in Verantwortungsbereiche und Verwendungsreihen.
  • Die Bundeswehr geht bis 1980 zum Leistungslohn über. Sachverantwortung entscheidet dann über Besoldung, nicht mehr der Dienstgrad (der nur äußeres Zeichen militärischer Autorität sein soll), Verrichten ein Unteroffizier und ein Offizier die gleiche Tätigkeit, so sollen sie auch das gleiche Gehalt beziehen,
  • Militärische Ausbildungsgänge werden den zivilen so weit wie möglich angenähert.

Die Kosten des Programms schätzt die Kommission für die Jahre 1972 bis 1981 auf 2,2 Milliarden Mark. Ihr Vorsitzender, Oberst Bung, betonte in einem Begleitschreiben an den Bundesverteidigungsminister, „daß sich die Zahl der längerdienenden Freiwilligen bei ausgeglichener Wirtschaftslage kaum erhöhen lassen wird. Daher ist eine wesentliche Verbesserung der Personallage weitgehend nur auf qualitativem Gebiet zu erreichen, Hierbei kommt nach Ansicht der Kommission der Bildung und Ausbildung entscheidende Bedeutung zu“.

Im Schlußkapitel ihres Berichts skizziert die Kommission das Denkmodell einer neuen Wehrstruktur. Danach könnte die Bundeswehr aus einer beweglichen Kampfkomponente von Berufssoldaten und einer territorialen Kampfkomponente (Wehrpflichtige mit 12 Monaten Wehrdienst) bestehen.

Egon Klepsch, Oppositionssprecher für wehrpolitische Fragen, begrüßte den Entwurf der Reformkommission: Er sei von zwingender Logik. Klepsch forderte Schmidt zum Handeln auf: „Wir können nicht mehr warten. Die Neuerungen müssen eingeleitet werden.“