Campbell Adamson, Generaldirektor des Unternehmerverbandes „Confederation of British Industry“ (CBI), möchte „endlich in die Teufelsspirale von Lohn- und Preissteigerungen einbrechen“. Für ihn, den Boß der Bosse, ist das Spiel mit dem Schwarzen Peter vorbei.

Nach zwei Jahren galoppierender Inflation findet er es sinnlos, wenn sich Manager und Gewerkschaften die Schuld gegenseitig in die Schuhe schieben, schließlich zusammensitzen und gemeinsam die Untätigkeit der Regierung verurteilen – die natürlich ihrerseits die massiven Forderungen der Arbeiter und kaum weniger hohen Zugeständnisse der Unternehmer verdammt. In der Tat sinnlos, denn in den letzten zwölf Monaten „zu hoher Löhne“, „zu hoher Preise und Profite“ und „zu wenig Wirtschaftspolitik“ ist der Wert des Pfundes um 10,3 Prozent geschwunden.

Adamsons „Einbruch“ in die Inflationsspirale zeigt überraschende Züge. Mit der auf die Lohnexplosion von 1969/70 folgenden Preiswelle haben die Unternehmer ihre angeschlagenen Profitmargen offenbar so weit aufgebessert, daß sie nun freiwillig auf weitere Erhöhungen verzichten können. Rund drei Viertel der 200 bedeutendsten CBI-Mitglieder (mit zusammen rund 40 Prozent der gesamten Inselproduktion) haben sich bislang ihrem Verband gegenüber schriftlich verpflichtet, ihre Erzeugnisse in den nächsten zwölf Monaten nur in Ausnahmefällen – und auch dann nur um höchstens fünf Prozent – zu verteuern.

Die Staatsbetriebe wie Stahl, Kohle, Elektrizität, Post und Eisenbahn traten dem Unternehmen „Preisstopp“ bei, worauf ihnen die Regierung die Deckung allfälliger Defizite versprach. Und die übrigen 11 500 CBI-Mitglieder schließlich sind eingeladen, dem Vorbild ihrer großen Brüder zu folgen.

Adamson und der CBI hatten für hinreichende Publizität gesorgt. Ihre Pläne für die freiwillige Preiskontrolle gaben sie drei Tage vor der Haushaltsbotschaft des Schatzkanzlers bekannt. Und sie sollten nur dann in Kraft treten, falls Anthony Barber in diesem „Minibudget“ kräftig aufs Gas drücken und die jährliche Wachstumsrate auf mindestens 4 bis 4,5 Prozent erhöhen würde. Barber tat wie gewünscht. Doch daß er und das Kabinett sich erst in diesen drei Tagen seit der CBI-Initiative für die massive Senkung der indirekten Steuern und die Einführung neuer Investitionsanreize entschlossen hätten, glaubt kein Mensch.

Die Unternehmer können kaum die Regierung an einem Wochenende zu Expansion „erpreßt“ haben, sondern – so die Mutmaßung – beide haben den neuen Kurs des britischen Wirtschaftsschiffs gemeinsam und lange im voraus ausgehandelt. Associated Press verbreitete gar den„Beginn einer konzertierten Aktion“. Ein bißchen voreilig, wie es scheint. Denn zu einer konzertierten Aktion bedarf es nicht nur zweier, sondern dreier Partner. Doch der dritte – die Gewerkschaften – spielt in der neuen Runde nicht mehr (oder noch nicht) mit.

Victor Feather, der Generalsekretär des Dachverbandes „Trades Union Congress“, hat zwar die Initiative seines Antipoden Adamson und die Wachstumsspritzen Barbers ebenso wortreich wie reserviert begrüßt. Er persönlich soll einer Zusammenarbeit auch nicht abgeneigt sein. Doch über die ‚150 dem TUC angeschlossenen Einzelgewerkschaften hat er keinerlei Macht, und gerade deren mächtigste Bosse, die linksextremen „schrecklichen Zwillinge“ Jack Jones und Hugh Scanlon von den drei Millionen Transport- und Metallarbeitern wollen lieber Kampf als Kooperation.