Von Heinz Josef Herbort

Tom Jones lehnt an dem Wandregal vorn, etwa einen Meter neben der Zimmerecke rechts, und besingt intensiv irgendein zauberhaftes weibliches Wesen. Die Band – sie sitzt etwas links, auf Tuchfühlung mit dem Publikum – ist eifrig und erreicht extreme Lautstarkegrade. Die Partygäste hingegen, eine Menge Leute müssen da sein, scheinen nur zum Teil enthusiasmiert, viel Geplauder ringsum, weiter rechts unterhält ein Mensch seine Umgebung anscheinend laufend mit den neuesten Witzen.

Plötzlich unmittelbar hinter einem ein lauter Knall, jemand hat einen Sektkorken steigen lassen. Aufgeschreckt reißt man die Augen auf und fährt herum – in der Zimmerecke links hinten steht nur ein Lautsprecher.

Der Sektkorken ist, wie Tom Jones, wie die Band und die Party, effektvoller Bestandteil einer Demonstration von „Quadrophonie“.

Quadrophonie – „Vierklangigkeit“ – ist das stolze Wort für eine noch getreuere Übertragung eines Schall-Ereignisses, eines Konzertes etwa oder einer Oper, eines Open-Air-Beat-Festivals, auch eines Hörspiels; für die noch exaktere Reproduktion eines optimalen Klangbildes, das unter sorgfältig ausgesuchten und hergerichteten Bedingungen irgendwo in einem Studio erzeugt, aufgenommen und konserviert wurde und das nun jederzeit in allen verfügbaren Räumen, unabhängig von deren Beschaffenheit und Größe, erneut hergestellt werden kann.

Quadrophonie ist weiter das Zauberwort von der neuen Perfektion in der totalen Beschallung des Menschen. Sie. bietet die Möglichkeit einer Klang- und Geräusch-Berieselung von allen Seiten, sie vermittelt das Gefühl des Rundum und des völligen Mitten-drin-Seins: Endlich hat man uns akustisch ganz im Griff.

Quadrophonie ist aber auch das Machtwort einer Industrie, die bereits mehrfach erlebte, wie der Markt von ihren Produkten allmählich gesättigt wurde, die zwar im Augenblick noch eine Aufwärtsentwicklung erlebt, aber auf längere Sicht doch wieder eine Absatzstagnation befürchten muß und die genau weiß, daß, wenn sie ein neues, ein ganz neues Angebot auf den Markt bringt, sie neue Bedürfnisse schafft, die sie dann wieder befriedigen kann.