Dr. Hannes Pflug studierte von 1960 bis 1968 Naturwissenschaften an der Universität Tübingen und war bis vor kurzem als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsinstitut eines Elektrokonzerns tätig.

Wenn Naturwissenschaftler oder Ingenieure die Universitäten und Hochschulen verlassen, sind sie meist von ihrer Zukunft überzeugt. Schon während ihres Studiums wurde ihnen versichert, sie seien so begehrt wie nie zuvor. Und die meisten Hochschulabsolventen schließen daraus, nun könne das große Geldverdienen beginnen, und die steile Karriere sei so gut wie gesichert.

Meist fällt die Entscheidung sehr schnell zugunsten der Industrie. Die Beamtenlaufbahn mit ihrem gesicherten Einkommen, der unkündbaren Stellung und der ausgezeichneten Altersversorgung wird spätestens dann verworfen, wenn der Kandidat die Anfangsgehälter von Staat und Industrie vergleicht.

Doch der Schein trügt. Auf Grund mangelhafter Information herrschen an den Hochschulen noch vielfach falsche Vorstellungen über die berufliche Normalkarriere in der Industrie. Die Ernüchterung auf hochgespannte Erwartungen folgt meistens bald nach Antritt der Anfangsstelle.

Sogar nach längerer Bewährung im Beruf zeigt sich in vielen Fällen nicht der erwartete Lichtblick. Denn das Hierarchiedenken ist insbesondere bei den großen Unternehmen (etwa in der Elektroindustrie) oft genauso stark ausgeprägt wie beim Staat. Das fängt schon mit einer genau geregelten Einrichtungsordnung für die jeweils nach Rang ausgestatteten Arbeitszimmer an.

Die meisten Ingenieure und Naturwissenschaftler werden in der Industrie für Forschung und Entwicklung eingesetzt. Aber gerade in diesen beiden Bereichen sind die Aufstiegschancen am schlechtesten. Denn im Vergleich zu anderen Abteilungen findet sich hier die größte Anhäufung von geistiger Kapazität. Der Anteil der wirklichen Führungspositionen (etwa auf dem Niveau des Abteilungsleiters) ist jedoch nicht wesentlich größer als in anderen Bereichen.

Der Posten eines Laborleiters etwa gehört noch nicht zu den Führungspositionen, die finanziell interessant sind. Und es läßt sich leicht ausrechnen, welche Chancen 15 oder 17 Akademiker bei Abteilungen von 25 Beschäftigten haben, selbst Abteilungsleiter zu werden. Wird alle 25 Jahre ein Chef benötigt, so kommt praktisch nur einer von sechzehn für diese Stelle in Frage.