Die Industrieländer der Welt hatten seit einiger Zeit mit amerikanischen Währungsmaßnahmen zu rechnen. Dennoch wurden sie von Präsident Nixons Programm zur Sanierung des Dollar überrascht. Schon am Montag konferierten die Abgesandten mehrerer europäischer Regierungen in London. Das Echo auf Nixons Rede war unterschiedlich.

Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller unterbrach sofort seine Ostblockreise und eilte nach Sylt, um mit dem Bundeskanzler die Lage zu beraten. In ersten Kommentaren unterstrich Schiller die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung, das binnen- und außenwirtschaftliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Gefahren für die Stabilität seien, so Schiller, nicht zu erwarten.

Die deutsche Wirtschaft hingegen fürchtet um ihre Exporte in die USA. Vor allem die Maschinenbau- und Automobilindustrie sind von der Einfuhrsteuer betroffen. Das deutsche Industrie-Institut sprach vom „Ruin des Amerika-Exports“. Die Gewerkschaften sahen zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr.

Auch der französische Staatspräsident Pompidou eilte aus dem Urlaub nach Paris zurück. Einerseits begrüßten die Franzosen, daß der Dollar nun nicht mehr tabu ist. Andererseits können sie einer Abwertung des Dollar wenig abgewinnen, da der französische Handel mit den Vereinigten Staaten ein großes Defizit aufweist. In Frankreich wird zudem befürchtet, die EWG könne nun zu einer Mark-Zone werden. Vor allem aber klagt Paris darüber, daß die EWG-Länder nicht zu gemeinsamem Handeln fähig sind.

Im Brüsseler EWG-Hauptquartier bedauerten die Kommissare der Sechs Nixons Beschlüsse und verwahrten sich zugleich gegen den Vorwurf, die Wirtschaftspolitik der Gemeinschaft habe einem „unlauteren Wettbewerb“ Vorschub geleistet. Entschlüsse werden erst von der für Donnerstag einberufenen Konferenz der Finanz- und Außenminister erwartet.

London will den „Zehnerklub“, die wichtigsten Industrieländer der Welt, an den Konferenztisch bitten. Premierminister Edward Heath rief noch am Montag seine Minister nach Downing Street. Derweil kursierten in der Londoner City Gerüchte über eine Freigabe des Pfund-Kurses und über eine Pfund-Aufwertung.

Am heftigsten war die Reaktion in Japan: Die Börse in Tokio verzeichnete am Montag die größte Baisse ihrer Geschichte. Japan exportiert 30 Prozent seiner Produktion in die USA, sieht also in der Importbesteuerung eine Gefährdung seiner Konjunktur. Experten halten eine Aufwertung des Yen für unumgänglich. Die amerikanischen Maßnahmen werden vor allem deshalb bedauert, weil die japanische Regierung jetzt bereit gewesen sei, ihren Außenhandel zu liberalisieren.