Grund zum Jubel besteht für die Regierung Brandt, zwar noch nicht, immerhin kann sie aber ein wenig aufatmen – sofern sie selbst etwas von den in Auftrag gegebenen Image-Umfragen hält. Willy Brandt, dessen Regierung bei Amtsantritt im Dezember 1969 einen Vertrauensindex von 5,9 hatte (null ist die schlechteste, zehn die höchste Index-Ziffer), ist aus der Talsohle der Volksmeinung heraus. Im Mai dieses Jahres lag der Vertrauen. index bei 4,5 Punkten. Im Juni waren es schon wieder 4,9 Punkte. Bei der Juli-Umfrage von Emnid wurde die Bundesregierung von 48 Prozent der Befragten mit der Note „gut bis sehr gut“ bedacht. Arbeiter halten von der Regierung am meisten (55 Prozent „gut bis sehr gut“). Auffallend ist, daß sich selbst bei, Anhängern der CDU/CSU das Urteil wandelt. Im Mai/Juni hielten 20 Prozent der Oppositions-Anhänger die Bundesregierung noch für ausgesprochen schlecht, im Juli waren es nur noch dreizehn Prozent.

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Pressemeldungen über einen Betrug zu Lasten der EWG-Kasse in Brüssel veranlagten den ehemaligen Finanzminister Alex Möller, sich Sorgen um seinen guten Ruf zu machen. Ein Düsseldorfer Butterhändler ergaunerte mit Hilfe gefälschter Erlasse des Bundesfinanzministerium! rund sechs Millionen Mark Abschöpfungen und Einfuhrumsatzsteuer. Eine Freundin des Kaufmanns war im Finanzministerium als Sekretärin tätig und besorgte ihm drei Blanko-Kopfbogen des BFM mit Dienststempel-Abdruck. Als der Betrug aufgedeckt wurde, hieß es in Pressemeldungen, eine Möller-Sekretärin habe bei dem Betrug mitgewirkt. Doch Staatssekretär Hans Georg Emde konnte Alex Möller beruhigen. Die genannte Sekretärin war von Juni bis November 1969 im Finanzministerium angestellt. Bis zum 22. Oktober 1969 aber war noch der ehemalige Finanzminister Franz Josef Strauß im Amt. Doch auch damals saß die langfingrige Dame nicht im Ministerbüro.

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Kritisch beschäftigt sich die Opposition, vor allem die CDU, mit einer Einladung, die Arbeitsminister Walter Arendt den Sozialpartnern ins Haus schickte, um Fragen der Rentenversicherung zu erörtern. So wird bemängelt, daß von der früheren Praxis abgewichen wurde, die Gewerkschaften (DGB und DAG) zusammen mit dem Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB) und dem Deutschen Beamtenbund (DBB) zum gleichen Termin an den runden Tisch zu bitten. Die Opposition vergaß dabei freilich, daß der frühere CDU-Arbeitsminister Theo Blank den CGB niemals eingeladen hat. Der Hintergrund: Beim DGB kam man schon vor langer Zeit überein, nicht an Gesprächen teilzunehmen, bei denen der CGB mit von der Partie ist. Es sind mithin reine Verbandsquerelen, denen Walter Arendt Rechnung trägt.

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Beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wird die derzeitige Konstruktion des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage (Rat der „fünf Weisen“) zwar inoffiziell, aber nicht ohne Selbstkritik erörtert. Das Feilschen um die Besetzung eines vakanten Postens zeige, daß Gewerkschaften wie Unternehmer darauf bedacht seien, daß ihre Interessen nicht zu kurz kommen. Der Unabhängigkeit eines solchen Gremiums sei das nicht gerade förderlich. In Bonn fragt sich mancher, ob der BDI vorschlagen könnte, den Sachverständigenrat in die Exekutive einzubauen. Vorbilder dafür gibt es. Der US-Präsident beispielsweise verfügt über zahlreiche offizielle Regierungsberater für Detailfragen der Politik.