Als die jetzige Bundesregierung an die Macht kam, so erinnert sich ein Kranführer namens K. Mutter aus Rüßwihl, „da hab’ ich einen ausgegeben“. Der Mann hatte dafür auch seine Gründe. Er dachte: „Jetzt wird’s besser. Mit all den Reformen und so.“ Doch nach Jahren des Nachdenkens auf seinem einsamen Kranführerstand ist er anderen Sinnes geworden. In ihm reifte die Erkenntnis, diese Regierung haue „immer auf die Kleinen“.

Der beklagenswerte Herr Mutter zählt zur Staffage einer Anzeigenserie, die vor wenigen Tagen gestartet wurde. Darin wird gegen Pläne zur Erhöhung der Branntweinsteuer zu; Felde gezogen. Doch Herr Mutter und andere „Interview“-Partner sagen nur beiläufig etwas gegen teureren Schnaps, sehr viel aber über ihre allgemeine Unlust gegen „die da oben“. Von zwei Dingen ist freilich nicht die Rede: Von den fiskalischen Problemen einer Branntwein-Steuererhöhung und vom Auftraggeber dieser Anzeigen. Daß es die aufgeschreckte Bundesvereinigung der deutschen Marken-Spirituosen-Industrie ist, läßt sich nur nach einigem Nachforschen feststellen.

Wohl sehen hat ein Herstellerverband gegen steuerliche Pläne, die ihm mißfallen, mit politischen Argumenten dieser Art agitiert. Die Spirituosenhersteller müssen wissen, ob sie außer den im Gefolge höherer Branntweinsteuer zu erwartenden Umsatzeinbußen auch noch einen derartigen Verlust an Seriosität ertragen können. Ihr Nahziel jedenfalls – keine Steuererhöhung – dürften sie wohl verfehlen. pl