Von Dieter Buhl

Warum entscheiden Sie sich nicht endlich, ob Sie Republikaner oder Demokraten sein wollen? Ausgabefreudiger als die Demokraten sind Sie ja wohl schon!“ Der Mann, der vor kurzem diesen Vorwurf an ein Team von Wirtschaftsexperten des Weißen Hauses richtete, hätte sie sich auch selber stellen können. Schließlich ist John Bowden Connally, 54, eingeschriebenes Mitglied der Demokratischen Partei und gleichzeitig Finanzminister eines republikanischen Präsidenten.

Als der Präsident in der Abgeschiedenheit von Camp David gemeinsam mit einer Handvoll von Beratern die einschneidenden Wirtschafts- und Währungsmaßnahmen festlegte, war John Connally dabei. Und wer den Texaner kennt, weiß, daß er nicht nur zugehört hat. Die Rolle des Zuhörers liegt Connally nicht. Der gelernte Jurist gilt zwar kaum als Experte auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Aber er hat in den letzten Monaten bewiesen, daß er schnell hinzulernen kann. Als ihn Präsident Nixon Anfang des Jahres überraschend in sein Kabinett berief, fragten die Spötter: „Kann der überhaupt addieren?“ Solche Fragen stellt heute niemand mehr. Innerhalb von sechs Monaten hat sich Connally als Chefsprecher des Weißen Hauses in Wirtschaftsfragen und damit als eine Art Superminister profiliert.

Widersprüchlichkeiten in seinen Aussagen haben das Ansehen des Ministers nicht geschmälert. Auch die amerikanische Öffentlichkeit ist vergeßlich. Noch vor sieben Wochen vertrat Connally – nach einer früheren Konferenz in Camp David – die Ansicht, der amerikanischen Wirtschaft gehe es gut, einschneidende Maßnahmen seien nicht erforderlich. Doch äußerte der Minister wohl mehr die Meinung der Regierung als seine persönlichen Ansichten. Schon damals war bekannt, daß er einen Lohn- und Preisstopp und Steuersenkungen für unvermeidlich hielt. Jetzt brachte er aus den Bergen Marylands auch offiziell die Erkenntnis mit, daß radikale Maßnahmen nötig seien;

Im Gegensatz zu dem Budgetkoordinator George Shultz und dem Vorsitzenden der Bundesreservebank, Arthur Burns, war Conally nahezu frei von den Hypotheken falscher Vorhersagen und Ratschläge. Als relativer Neuling in der Regierung ist er unbelastet von den Fehlern, die seit dem Amtsantritt Nixons die derzeitige Situation mit provoziert haben. Von keiner Wirtschaftsideologie belastet, war es schließlich auch der Pragmatiker Connally, der jetzt den Wechselkurs Nixons schlagend mit der Bemerkung erklären konnte: „Der Präsident ist doch kein Einfaltspinsel, der beharrlich an einer einmal gefaßten Meinung festhält.“

Der Satz ist bezeichnend für eine gewisse Seelenverwandtschaft zwischen dem Präsidenten und seinem Finanzminister. Beide sind in erster Linie Politiker, die sich nach dem Gebot der Stunde und nicht nach bestimmten Theorien oder langfristigen Plänen richten.

Nixon, der Protagonist einer freien Marktwirtschaft, bewies es jetzt, indem er auf den Dirigismus zurückgriff. Connally, der konservative Schützling der texanischen Ölbarone, offenbarte seine Flexibilität, als er in den sechs Jahren als Gouverneur den Haushalt des Staates Texas verdoppelte.