Mit 142 Mark erreichte der Kurs der VW-Aktie zu Beginn dieser Woche, einen neuen Jahrestiefstand. Der Spitzenkurs dieses Jahres hatte bei 212 Mark gelegen. Seither haben die rund 900 000. Aktionäre des Wolfsburger Automobilunternehmens einen Wertverlust von 33 Prozent erlitten. Seit Jahresbeginn sank der VW-Kurs um 12 Prozent, in der gleichen Zeit stieg der Durchschnitt der deutschen Aktienkurse knapp 9 Prozent.

Der Kursverfall der VW-Aktie ist in erste? Linie auf die ungünstigen Ertragsaussichten für 1971 zurückzuführen, die eine Dividendenkürzung (für 1970 werden noch 9,25 Mark 50-Mark-Aktie gezahlt) signalisier. Mit der Einführung der 10prozerntigen Importsteuer in den USA wird das Volkswagenwerk auf seinem Hauptabsatzmarkt im Ausland weitere wertvolle Marktanteile einbüßen. Dies ist um so sicherer anzunehmen, als der Export im Zuge der faktischen Mark-Aufwertung bereits mit über 8 Prozent vorbelastet ist.

Die Kapitalanleger erinnern sich jetzt an das, was VW-Chef Lodz auf einer Pressekonferenz Anfang April dieses Jahres sagte: „Sollte je einer auf den Gedanken kommen, in einer überschaubaren Zukunft noch einmal die Mark aufwerten zu wollen, sehen wir keine Chancen, das Unternehmen ohne ein nicht mehr zu verantwortendes Risiko weiterzuführen.“ Diese Situation ist jetzt eingetreten.

Ein anderer Grund für das Schattendasein der VW-Akte: In Börsenkreisen wird befürchtet, das der VW-Absatz unter einer Konjunkturabkühlung in der Bundesrepublik stärker leiden könnte als der anderer Automobilhersteller. Außerdem meint man, daß die inzwischen eingetretene Mehrbelastung der Autofahrer und die geplante Benzinsteuererhöhung besonders. die Käuferschicht des Volkswagens, vom Kauf neuer Fahrzeuge abhalten könnte.

An dem überdurchschnittlichen Kursdruck ist nicht zuletzt auch die angebliche „Politisierung“ des Wolfsburger Konzerns schuld. Die Berufung eines SPD-„Arbeitsdirektors“ in den Vorstand sowie der neue Aufsichtsrat, dessen Mehrheit in Börsenkreisen als „rot eingefärbt“ angesehen wird, halten besonders die ausländischen Anleger davon ab; die VW-Aktie, als, akzeptable Kapitalanlage zu betrachten. Hier stört noch mehr die Stimmrechtsbeschränkung der privaten Aktionäre. die dafür,sorgt, daß Bund, und Land Niedersachsen auf Hauptversammlungen immer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen.

Verstimmt haben ferner die in die öffentlichen gedrungenen Unstimmigkeiten innerhalb des VW-Vorstandes, dem man im üorigen nachsagt, daß die Art und Weise, wie Audi/NSU in den Volkswagenkonzern eingegliedert worden sind kein Meisterstück darstellt. K. W.