Der Preiskrieg über dem Atlantik hat mit dem Eklat in Montreal nicht begonnen, er hat dort lediglich einen neuen Höhepunkt erreicht. Doch die Gesellschaften, die mit ihren Billigangeboten den Linienfluggesellschaften das Verdienen über dem Atlantik verdorben haben, frohlocken. Der theatralische Ausgang der Abstimmung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß der laut angekündigte Angriff gegen die Charterer nicht stattfand.

Der Kompromißvorschlag, der auf der IATA-Tarifkonferenz zur Abstimmung vorlag, zeigte den Billigfliegern an, daß selbst in diesen niedrig kalkulierten Preisen ihre Existenz nicht bedroht ist: Die 1.-Klasse- und Economy-Tarife sollten nach den Vorstellungen der Nordatlantik-Liniengesellschaften unverändert bleiben. Aber mit diesen Tarifen kann man das Angebot der Chartergesellschaften nicht vergleichen. Sie bieten in der Regel sogenannte Gruppen-IT-Reisen an.

Diese Tarife wurden in Montreal von den vier Großen, Pan Am, TWA, BOAC und Air Canada, für die Linie Frankfurt–New York mit 185 Dollar angesetzt. Dies entspricht selbst bei sinkenden Kursen des Dollars immer noch einem Preis über 600 Mark. Die Chartergesellschaften hingegen bieten heute Frankfurt–New-York-Flüge ab 490 Mark an. Aber selbst dieser Preis scheint noch nicht die Untergrenze der möglichen Preisgestaltung zu sein.

Doch die Liniengesellschaften sind zur Zeit gar nicht in der Lage die Charterer auszuhungern. Sie versuchen lieber mit auf der Charterwelle zu reisen. Nächstes Jahr läßt die Lufthansa ihre Chartertochter Condor, erstmals zu niedrigen Preisen über den Atlantik fliegen. Und die große britische Liniengesellschaft BOAC hat vor ein paar Monaten eine Chartertochter gegründet. kde