Sehr geehrter Herr Leber!

Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß meine Sympathien für Ihre ministerielle Amtsführung beträchtlich gesunken sind. Natürlich habe ich Verständnis dafür, daß auch die Post nicht von Verlusten leben kann. Und es geht mir auch nicht um die zehn Pfennig, die ich jetzt auf diesen oder jenen Brief mehr kleben muß. Aber seit dem 1. August bin ich verunsichert.

Früher wußte ich immer, welche Briefmarke ich benötigte. Doch jetzt befallen mich bei jedem Gang zum Postkasten Skrupel. Ist die Sendung auch ausreichend frankiert? Ist der Tarif schon in Kraft oder erst im September? Muß der Empfänger Strafporto zahlen oder habe ich gar der Post etwas geschenkt? Die in jahrelanger Routine gewonnene Sicherheit ist mit einem Schlag zusammengebrochen.

Schon einmal habe ich in diesem Jahr auf Ihre Veranlassung hin, sehr geehrter Herr Leber, einige freie Wochenenden geopfert und in meiner Eigenschaft als Autofahrer die neue Straßenverkehrsordnung gelernt. Und nun geht das mit der Post von neuem los, und das mitten in den Hundstagen! Damals haben Sie mir wenigstens so eine Art Lehrbuch ins Haus geschickt. Aber diesmal? Mit der Bitte, von der Verabschiedung neuen Lehrstoffs nunmehr Abstand zu nehmen verbleibe ich hochachtungsvoll

Heinz Michaels