Ein Anarchisten-Mädchen, das auf seine Verfolger geschossen hatte, fiel unter den Kugeln der Polizei. Und als ein Journalist mit offenbar kritischem Unterton fragte, ob das denn nötig gewesen sei, erhielt er zur Antwort: „Waren Sie im Krieg?“ Dies spielte sich in Hamburg ab.

Ich weiß, nicht, was der Journalist dazu gesagt hat. Ich bin nicht einmal sicher, ob die Antwort des Polizisten bedeuten sollte, es sei nun einmal so, daß Feuer erwidert werden, müsse, prinzipiell, Schuß um Schuß. Es kann ja auch sein, daß Reflexhandlungen mitspielen und zu solch einem Feuer-, gefecht, solch einem Tod führen. Aber damit hier, an dieser Stelle, kein Zweifel, aufkommt: Ich war im Krieg, und zwar dort, wo geschossen wurde.-Das ist auch der Grund, warum ich nervös werde, wenn ich lese, daß der Dialog in Hamburg sogewesen sei: „War es nötig, daß gleich – scharf geschossen wurde?“ Antwort: „Waren Sie im Krieg?“

Es liegt nahe, an ein späteres Münchner Ereignis zu denken, das im Fernsehen. Eindruck gemacht hat: Zwei – Gangster waren in eine Bank eingedrungen, hatten sich darin einer Anzahl von Geiseln bemächtigt und sahen sich von der Polizei umstellt. Die Schießerei, die sich entwickelte, hatte für mich, den Fernsehteilnehmer, etwas Blamables, Ernüchterndes Entwürdigendes, Niederziehendes,

Als tragische Einzelheit des düsteren Falles wurde bekannt, daß die Polizei Scharfschützen eingesetzt hatte. Aber nicht nur wurde ein Gangster getötet, sondern auch eine Frau mußte sterben, die ihnen als Geisel gedient harte. Und dies, obwohl die Polizei zwar auch das Lösegeld (zwei Millionen Mark) – wiedererobern, vor allem aber die Geiseln erlösen wollte.

Während; Zeitungen, auch solche des Auslandes, zu verstehen gaben, der „Erfolg“ – nämlich ein toter und ein gefangener. Gangster – sei zu teuer bezahlt, beeilten sich die der Polizei übergeordneten Behörden mit der Versicherung, den Polizisten sei kein Vorwurf zu machen.

Dem soll hier nicht widersprochen werden. Es ist eine andere Einzelheit, die Aufmerksamkeit verdient.

In seinem Bericht für die Süddeutsche Zeitung deutete der so urteilsfähige wie verantwortungsbewußte Journalist und Jurist Müller-Meiningen an, die Polizei (oder deren übergeordnete Behörde) habe sich den Gangstern gegenüber zu bestimmtem Verhalten verpflichtet, sich an diese Verpflichtung jedoch nicht gehalten. Dies ist die Einzelheit, die zu wenig beachtet wurde.