Zu Beginn dieser Woche zeigte sich wieder einmal die Standfestigkeit der deutschen Aktienbörse. Die amerikanischen Maßnahmen zur Rettung des Dollar, insbesondere die 10prozentige Importsteuer der USA, bringen vielen deutschen Unternehmen eine weitere gefährliche Einengung ihrer ohnehin schon schmal gewordenen Gewinnmarge. Deshalb war ein Rückgang der deutschen Aktienkurse selbstverständlich.

Wenn er sich im erträglichen Rahmen hielt, dann lag dies an der mangelnden Verkaufsbereitschaft des deutschen Publikums, der deutschen Fonds und der ausländischen Anleger, die in der Woche zuvor noch kräftig deutsche Aktien gekauft hatten. So scheinen Millionenposten von Daimler-Aktien nach Frankreich gegangen zu sein.

Die Börsianer loben die „gesunde Verfassung“ des deutschen Aktienmarktes. Praktisch gibt es längst keine spekulativen Engagements mehr. Den Mut, Aktien auf Kredit zu kaufen, hatte in den vergangenen Monaten niemand aufgebracht. Angesichts der düsteren Gewinnprognosen und der unsicheren Währungssituation wäre dies auch mehr als Leichtsinn gewesen. Selbst der Berufshandel lebt seit längerer Zeit lediglich von Tagesspekulationen. Die hohen Bankzinsen machen Wertpapierspekulationen auf Kredit ohnehin Zu einer recht fragwürdigen Angelegenheit.

Natürlich wird man jetzt in den Börsensälen noch selektiver vorgehen. Das gilt besonders für die deutschen Fonds. Zu prüfen wird sein, inwieweit die einzelnen Unternehmen von den amerikanischen Maßnahmen betroffen werden. Daß die VW-Aktien aus diesem Grunde neuen Belastungsproben entgegensehen, scheint sicher.

K. W.