Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Klaus von Bismarck – so ließ der WDR in etwas verärgertem Ton am vergangenen Freitag erklären – hat heute Herrn Dr. Peter Scholl-Latour gebeten, seine Geschäfte als Direktor des Ersten Fernsehprogramms des WDR seinem Vertreter, Herrn Klaus Mahlo, zu übergeben. Dr. Scholl-Latour tritt seinen Urlaub an.

Zur Verärgerung war Grund. Ein Star des politischen Fernsehjournalismus hatte das in Intellektuellenkreisen, denen er durchaus zugehört, eher geringer geschätzte ZDF ganz offensichtlich der ARD vorgezogen, was zweifellos Imageaufbesserung für die einen, Prestigeverlust für die anderen bedeutet.

Wenn Peter Scholl-Latour jetzt statt (wie vorgesehen) für den WDR für das ZDF als Sonderkorrespondent nach Paris geht, dann lassen sich dafür drei Gründe ausfindig machen, von einem ersten weniger wichtigen bis zu einem dritten entscheidenden.

Die finanzielle Basis, die mit dem WDR in mühsamen Verhandlungen noch geklärt werden mußte, wurde vom ZDF schnell bewilligt. Es handelt sich dabei nicht so sehr um die persönlichen Bezüge (Scholl-Latour versichert, das ZDF zahle ihm nur, was der WDR auch schon bewilligt hatte) wie um den für die Arbeit verfügbaren Etat.

Mit dem ZDF verspricht die Zusammenarbeit leichter zu werden als mit dem WDR: da dieser eben nur ein Sender, wenn auch der mächtigste, im komplizierten Konglomerat der ARD mit ihren eifersüchtigen Kämpfen um Programmminuten ist, während das ZDF auf Sonderwünsche der Bayern oder der Hamburger keine Rücksichten zu nehmen braucht.

Vor allem jedoch findet Scholl-Latour gerade beim scheinbar so sehr auf Unterhaltung fixierten ZDF offenbar größere Aufgeschlossenheit für Vorstellungen von einer erweiterten politischen Aktivität des Fernsehens. Während seine zusammen mit Werner Höfer angestrengten Bemühungen um ein politisches Tagesmagazin schließlich daran scheiterten, daß ein solches Magazin, solange das Abendprogramm wie bisher um 20.00 Uhr beginnt, erst zu später Stunde gesendet werden könnte, scheint man beim ZDF entschlossen, von 1973 an um 19.00 Uhr mit der Hauptnachrichtensendung anzufangen, die das Abendprogramm einleitet.

Dem Fernsehzuschauer kann es nur recht sein, wenn die Schwerpunkte der beiden deutschen Fernsehanstalten auseinanderrücken, was sicher dazu beiträgt, den „Kontrast“ zu fördern.