Eine neue Gruppe „Initiative 218“ wurde in Bonn gegründet, die die Diskussion darüber, ob und wann eine Schwangerschaft abgebrochen werden darf, „versachlichen“ will. Interessant ist diese Gruppe mehr durch die Personen der Initiatoren als durch ihre Programm-Ankündigung: Da haben sich so verschiedenartige Leute zusammengefunden wie die Gießener Soziologin Helge Pross und der Gießener Gynäkologe Richard Kepp, wie die Braunschweiger Soziologin Elisabeth Müller-Luckmann und der Bonner Moraltheologe Franz Böckle.

Vom Wunderwort „Versachlichung“ versprechen wir uns freilich nicht viel. Wenn Schmerz, Demütigung, Empörung, ohnmächtige Wut so sehr beteiligt sind wie dort, wo Frauen gezwungen werden, gegen ihren Willen Kinder auszutragen, kann „Versachlichung“ auch Verfälschung bedeuten. Bewundernswert können wir es nicht finden, wenn alte Männer sachlich sind, wo junge Frauen leiden.

Recht haben die Initiatoren darin, daß ein Ausweg gefunden werden muß zwischen den Extremen „mein Körper gehört mir!“ und „alles Leben ist heilig!“ – ein Ausweg also aus dem Konformismus der pathetischen Ausrufezeichen.

Denn zweifellos hat die Gesellschaft, repräsentiert durch den Staat, legitime Interessen auch am Körper des einzelnen: Sie wird, zum Beispiel, einer Selbstmordwelle entgegentreten müssen oder massenhaften Selbstverstümmelungen durch Heroin-Injektionen (wobei hier wie in anderen Fällen offen bleibt, ob Drohung mit Freiheitsstrafen das beste Verhütungsmittel ist).

Ebenso zweifellos jedoch ist die „Heiligkeit des Lebens“ kein ewiges Gesetz und in dieser pauschalen Form unpraktisch. Leute, die ganz und gar ernst damit machen – die kein Fleisch essen, weil ihnen auch das Leben der Tiere heilig ist, die das Leben von Verbrechern gegen Polizisten geschützt sehen wollen, die als radikale Pazifisten den „gerechten Krieg“ verdammen – gelten in allen Zivilisationen dieser Welt als versponnene Sektierer.

In diesem Zusammenhang mögen drei sachliche Hinweise nützlich sein auf Tatbestände, die, vom Pathos überspült, nicht immer ausreichend hervortreten: