Fast gleichzeitig und mit gleicher Eindringlichkeit haben Ophthalmologen in der Bundesrepublik und in den USA vor dem allzu reichlichen Gebrauch von Kortikosteroiden in der Augenheilkunde gewarnt.

Kortikosteroide, Substanzen, die die Wirkung von Hormonen der Nebennierenrinde (Kortiokoide) entfalten, wirken als Arzneimittel entzündungshemmend und werden deshalb auch bei Entzündungen am Auge angewendet. Doch das ist, wie die Augenärzte Becker und Bürde von der Universität Washington und ihre deutschen Kollegen Alexander Novak und Kristin Zschausch von der Universitäts-Augenklinik Marburg warnen, keineswegs ungefährlich.

Die amerikanischen Ophthalmologen weisen darauf hin, daß kortikosteroidhaltige Augentropfen, die oft schon bei leichteren Reizungen der Bindehaut verordnet werden, bei lang andauernder Anwendung eine Erhöhung des Augendrucks und den grünen Star (Glaukom) zur Folge haben können, was die beiden Kliniker an eindrucksvollen Beispielen aus ihrer Praxis belegen.

Novak und Zschausch beschreiben im „Deutschen Ärzteblatt“ (19. August) Hornhautgeschwüre, die auf die Anwendung von Kortikosteroiden zurückzuführen waren.

Augentropfen und -salben, die diese Hormone enthalten, sollten nur in solchen Fällen verschrieben werden, in denen harmlosere Mittel versagen und dann auch nur unter ständiger Kontrolle durch den Arzt. Vor allem dürften, wie die amerikanischen Mediziner fordern, diese Präparate nicht für lange Dauer angewendet werden.

Die beiden deutschen Augenärzte warnen insbesondere vor der Selbstmedikation mit kortikosteroidhaltigen Augenmitteln. Oft heben Patienten solche Präparate nach Abschluß der Behandlung im Medizinschrank auf und wenden sie dann ohne ärztliche Anweisung bei jeder leichten Augenreizung großzügig an, solange der Vorrat reicht, -ow