Die Enttäuschung über den Fehlschlag von Brüssel sollte nicht zu groß, die Hoffnung auf eine Einigung nicht zu gering sein

Es ist in den vergangenen Tagen viel von verpaßten Chancen der europäischen Währungspolitik gesprochen worden. So viel, daß manch einer glauben mochte, bei nur etwas gutem Willen hätten die Partner der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft der amerikanischen Herausforderung geschlossen gegenübertreten können.

Wer so denkt, bagatellisiert zugleich die Schwierigkeiten, die die EWG bewältigen muß, will sie auf der entscheidenden nächsten Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds (IWF) Ende September in Washington mit einer Zunge sprechen. Das währungspolitische Desaster dieser Tage und Wochen wurzelt zu tief in der Vergangenheit, als daß man es mit einem Male beheben könnte.

Tatsache ist heute, daß die aus den Fugen geratenen Paritäten derwestlichen Währungen nur einmal „gestimmt“ haben: am Ende des Zweiten Weltkrieges, als sie vereinbart worden sind. Die USA, militärisch siegreich und wirtschaftlich weitgehend unversehrt, waren unbestritten die ökonomische Führungsmacht des damals geschaffenen – Systems.

Seitdem aber haben sich die Relationen verschoben. Andere Industriestaaten, allen voran die Bundesrepublik und Japan, haben aufgeholt. Riesige Auslandsverpflichtungen und das militärische Engagement in Korea und Vietnam haben die westliche Führungsmacht um einen weiteren Teil ihres Vorsprungs gebracht.

Zum unterschiedlichen Wirtschaftswachstum kam die fast ganz fehlende konjunkturpolitische Übereinstimmung der einzelnen – Staaten und Regierungen, Das reale Austauschverhältnis zwischen den einzelnen Volkswirtschaften verschob sich immer mehr – die Kurse ihrer Währungen dagegen nicht. Daß der Dollar angesichts dieser Entwicklung irgendwann würde abdanken müssen, wie Jahre zuvor schon das Pfund-Sterling, war gewiß voraussehbar. Dennoch hat man diesen Tag nicht gerade herbeigesehnt. Nur die Franzosen wollten den Dollar schon seit langem seiner Würde als Leitwährung entkleiden – und sind jetzt auch nicht ganz glücklich.

Vor dem Hintergrund dieser in Unordnung geratenen Wirtschaftswelt mäßigt sich die Enttäuschung über das Ergebnis der jüngstenMarathonsitzung des EWG-Ministerrats in Brüssel. Frankreichs Stellung im Handel mit den USA war nun einmal ungünstiger als die der Bundesrepublik – und seine Bereitschaft zur Aufwertung seiner Währung dementsprechend geringer.