Zum rumänischen Nationalfeiertag in der vorigen Woche schickten auch die Sowjetführer ein Telegramm nach Bukarest: Der Kreml wolle mit der rumänischen KP, mit Land und Volk weiterhin Freundschaft und Zusammenarbeit pflegen. Auf dem Hintergrund des enragierten Mißtrauens, mit dem Moskau die jüngste Annäherung zwischen Ceausescu und Mao verfolgt, wirkt die Kühle dieses Grußes aus Moskau eher beunruhigend. Denn die Fesseln, die der Kreml gleichzeitig um Rumänien legt, werden zusehends härter und einschneidender.

Ostberlin orakelt, mit Seitenblick auf jene, die „mit flinker Zunge von Unabhängigkeit und Souveränität reden“: „Mit der Absicht, eine antisowjetische Front aufzuziehen, haben sich schon andere die Kopfe eingerannt.“ Prag soll parteiintern verbreitet haben, daß sich „die rumänischen Nationalisten im Dienst der Chinesen zur Zerstörung des sozialistischen Lagers“ mißbrauchen lassen. Budapest ergänzt dies mit dem großzügig-ominösen Angebot: „Rumänien, kann immer auf die Hilfe der sozialistischen Länder rechnen, besonders, wenn der Imperialismus versucht, die sozialistische Gemeinschaft zu spalten.“

Breschnjews angekündigter Belgrad-Besuch wird – wenn er überhaupt zustande kommt – für Rumänien kaum Erleichterungen bringen. Eher mag er dazu dienen, Ceausescu zu isolieren und ins Glied der kremltreuen Ostblockstaaten zurückzudrängen. Die Sowjets mögen versuchen, dies über jugoslawische Mittler zu erreichen. Dem Kreml bleiben dann weitere Eskalationsmaßnahmen. Der Preis, den Belgrad fordert – eine sowjetische Wiederanerkennung des titoistischen Eigenwegs im Zeitalter der Breschnjew-Doktrin –, könnte ohne Machteinbuße im eigentlichen Block bezahlt werden.

Obwohl die alarmierten Sowjets auf Rot geschaltet haben, lassen sich bisher keine rumänischen Bremsspuren feststellen. Ungeachtet der Attacken aus dem Kremllager hat sich Ceausescu von den Spitzengremien in Staat und Partei seine Sonderbündelei mit Peking gutheißen lassen. Vor Offiziersanwärtern bekannte er sich aufs neue zur „Freundschaft mit allen sozialistischen Staaten“ und zur unveräußerlichen nationalen Souveränität, die von keinem kommunistischen Führungszentrum eingeengt werden dürfe. Auf Reisen durch die Provinz mobilisiert er die Verteidigungsbereitschaft des Volkes und am Bukarester Flughafen ließ er Geschütze aufstellen.

Der rumänische Caudillo spielt mit hohem Einsatz: Der chinesische Freund ist weit, der sowjetische Bruder nah. Andreas Kohlschütter