Seit der Proklamation des US-Präsidenten Richard Nixon vor Millionen Fernsehern mehrt sich die Zahl derjenigen; die den antinflationären Maßnahmen, der Regierung mit wachsender Skepsis gegenüberstehen.

Fielen die Reaktionen zu Nixons inneramerikanischen Schritten anfangs überwiegend positiv aus, so äußert sich eine ganze Reihe prominenter Politiker und Wirtschaftler inzwischen mit größerer Zurückhaltung. Nixons Maßnahmen, so heißt es, versprechen in der jetzigen Form nur kurzfristige Resultate. Nur wenn im Anschluß an die 90tägige Zeitperiode ein permanentes Programm zur Lohn- und Preisstabilisierung eingeführt würde, könne man Erfolge im Kampf gegen die Inflation erzielen. Andernfalls würde sich eine gewaltige Inflationswelle stauen, die nach Ablauf der Zeit über das Land hereinbrechen würde.

Von den Gewerkschaften darf die Regierung keine Schützenhilfe erwarten. George Meany, Präsident des gewerkschaftlichen Dachverbandes, AFL-CIO, erklärte im Anschluß an eine Sitzung des AFL-CIO-Exeeutive Council mit Regierungsmitgliedern in Washington, er habe absolut kein Vertrauen in „die Fähigkeiten des Präsidenten, die Wirtschaft dieser Nation zu lenken“.

Nicht nur die Gewerkschaften bieten Nixon die Stirn. In Texas erklärte Gouverneur Preston Smith, der Präsident habe keinerlei Vollmachten, sich „über die Gesetze dieses Staates hinwegzusetzen“. Statt dessen ignorierte Preston den Washingtoner Lohn- und Preisstopp und wies Erziehungsämter und alle übrigen öffentlichen Behörden an, fällige Gehaltserhöhungen weiterhin auszubezahlen.

Geteilt sind die Reaktionen bei Industrie und Handel. Gewiß, Steuererleichterungen und Importabgaben werden allgemein begrüßt, besonders in der Autobranche. Ihr wirtschaftlicher Effekt dürfte jedoch durch die angekündigten Sparmaßnahmen der Regierung teilweise wieder wettgemacht werden. „Den Preisstopp wollen wir gerne in Kauf nehmen, wenn er der Wirtschaft wieder auf die Beine hilft“, erklärte ein Sprecher des Aluminiumkonzerns Alcoa. „Preiserhöhungen sind aber nach wie vor unerläßlich, um die höheren Lohnkosten wieder aufzufangen“, meinte er.

Dankbar zeigten sich stark im Ausland engagierte Firmen. Der Chemiekonzern Dow Chemical zum Beispiel, der 40 Prozent seiner Zwei-Milliarden-Umsätze im Ausland macht, wird durch die De-facto-Abwertung des Dollars in den Genuß besserer Wettbewerbsfähigkeit kommen. Nimmt man den Steuerkredit hinzu, so überrascht es nicht, daß die Konzernspitze vorige Woche nach Washington kabelte: „Wir sind stolz auf Sie, Mister Präsident.“ pf