Moshe Dayan, Israels eigenwilliger und eigensinniger Verteidigungsminister, ist wieder einmal aus der Reihe getanzt. Just in dem Augenblick, da die Regierung in Jerusalem vor Beginn der UN-Vollversammlung im Ausland für seine Nahost-Politik werben will, plädierte Dayan für eine Änderung dieser Politik. Golda Meir, die Ministerpräsidentin, mußte sich, wie auch Dayans Kabinettskollegen, aus Gründen der diplomatischen Räson von den Ansichten des Ministers distanzieren.

Aber was Dayan laut dachte, haben manche von ihnen insgeheim auch längst erwogen: Übernahme der Regierungsgewalt in den besetzten Gebieten, Absage an jede Rückgabe-Option für künftige Friedensregelungen, die doch nicht in Sicht seien, Ausbau israelischer Grenzsiedlungen und Aufbau der Wirtschaftsstruktur in den arabischen Territorien. Manches davon ist sogar schon ins Werk gesetzt worden.

Wie Dayan sind viele seiner Landsleute überzeugt von zwei Tatsachen: daß in dieser Generation kein Friede möglich ist zwischen Israel und den arabischen Staaten und daß daher Israel die Zeit nutzen sollte, in den besetzten Gebieten Formen des Zusammenlebens zwischen Juden und Arabern zu entwickeln, die einen künftigen Frieden ermöglichen.

Geschickt ist es sicher nicht, derlei Ansichten öffentlich bekanntzugeben. Daß sie auch unrealistisch seien, wird allerdings nicht so leicht zu beweisen sein. Die Beweislast liegt bei den Arabern. D. St.