Von Dietrich Strothmann

Den stockkonservativen Buren-Nachkommen Südafrikas muß das Bild schwer erträglich gewesen sein: Für einen Schwarzen wurde ein roter Teppich ausgerollt, stand eine weiße Ehrengarde Spalier, brauste eins Düsenjägerformation über den Himmel.

Und anderntags kam es noch schlimmer: Bei den Festbanketts zu Ehren des schwarzen Mannes in den Grandhotels saß er mit weißen Ministern am Tisch zusammen, in der Aula der Universität von Stellenbosch, der Hohen Schule der weißen Herren Südafrikas, hielt er eine Rede, in den Straßen umarmte er weiße Kinder, bei Begrüßungszeremoniells schob er seine weißen Begleiter zur Seite, legte schwarzen Gästen die Arme um die Schultern und rief den Kameramännern zu: "Das ist meine Apartheid"

Bis dahin Unvorstellbares geschah in jenen fünf Tagen in Südafrika, als Malawis Staatsoberhaupt Hastings Kamuzu Banda die Union besuchte. Es war die erste Visite eines schwarzen Präsidenten in der Bastion der Weißen. Der "Löwe von Malawi", wie ihn seine Landsleute noch aus der Zeit des Unabhängigkeitskampfes her nennen, war selber in die Höhle des weißen Löwen gegangen – gefeiert und geehrt von seinen Gastgebern wie von den schwarzen Arbeitern, die zu Tausenden seine Reiseroute säumten, beschimpft und verachtet aber auch von vielen seiner Amtskollegen in den Regierungen anderer afrikanischer Staaten. Sie verdammten den "Messias" Malawis als den "schwarzen Judas".

Die Verbrüderungs-Photos in den südafrikanischen Zeitungen, die den schwarzen Staatschef Banda und den weißen Ministerpräsidenten Vorster Hand in Hand zeigten, hatten nicht nur die Apartheids-Apologeten aufgeschreckt, sondern ebenso die militanten Apartheids-Ankläger in Nigeria, Guinea und Tansania. Und wie liberale Südafrikaner, die den Abbau der diskriminierenden Rassenschranken fordern, nun glauben, daß in ihrem Land eine neue Zeit angebrochen sei, so betreiben radikale Afrikaner in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba bereits Malawis Ausschluß aus der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) und Bandas Verurteilung als "Quisling".

Doch so wenig, wie Hastings Banda mit dem Verdammungsurteil der OAU zu rechnen braucht – Staaten wie Ghana, Kenia, Togo und Madagaskar unterstützen seine Politik des Brückenschlages –, so wenig wird sich in naher Zukunft das menschenunwürdige Los der schwarzen Mehrheit (rund 11 Millionen gegenüber nur knapp 3 Millionen Weißen) in Südafrika ändern. Dort werden noch immer, für dieselben Verbrechen, Schwarze härter als Weiße verurteilt, bekommen Weiße bessere Positionen als Schwarze, müssen Schwarze auf anderen Parkbänken sitzen als Weiße, vor anderen Postschaltern anstehen, in andere Schulen gehen, in anderen Gebieten leben. Noch für lange Zeit wird Apartheid bedeuten: Alles den Weißen, wenig den Schwarzen. Ein Rassen-Radikaler empörte sich dieser Tage: "Banda hat uns alle zu Kaffern gemacht."

Malawis Präsident hat den schwarz-weißen Dialog in aller Form eröffnet, und Südafrikas Premier hat endlich den Graben übersprungen. Banda ist auf die Südafrikaner angewiesen: Allein 90 000 Malawen arbeiten in den Goldminen bei Johannesburg; zusammen mit den übrigen 200 000 Gastarbeitern in Rhodesien und Sambia brachten sie dem Staat im vergangenen Jahr rund 35 Millionen Mark ein, das sind 12 Prozent des Haushalts. Das Heer der Arbeitslosen wüchse ins Unermeßliche, müßten diese Arbeitskräfte in ihre Heimat zurückkehren. Überdies helfen Südafrika wie Portugal Malawi mit Krediten und Waren über den Berg.