Von Ferdinand Ranft

In den Kontoren der beiden großen deutschen Kreuzfahrt-Reedereien, bei der Deutschen Atlantik Linie und bei der Hapag-Lloyd AG, hat man sich in den letzten Monaten den Kopf darüber zerbrochen, wie es im nächsten Jahr mit den großen Luxusdampfern "Hamburg", "Hanseatic", "Europa" und "Bremen" weitergehen soll. Der Kostendruck in der Kreuzschiffahrt hat in den letzten beiden Jahren den Reedern nicht nur Kummer, sondern auch keine Gewinne mehr gebracht. Bei der Deutschen Atlantik Linie beziffert man die Mehrkosten für Heizöl allein auf zwei Millionen Mark, die Heuern sind im letzten Jahr um rund 30 Prozent gestiegen. "Das kostet uns noch mehr als das Öl", jammerte DAL-Pressesprecher Cordes.

Wie sollen diese enormen Zusatzkosten aber aufgefangen werden? Preiserhöhungen wollte keine der beiden Reedereien riskieren, schließlich kosten Kreuzfahrten in der Luxusklasse schon heute stolze Summen, und das Publikum für derartige Vergnügungen, läßt sich nicht nach Belieben vergrößern. Bei der Deutschen Atlantik Linie entschloß man sich, die Fahrgäste ungeschoren zu lassen und wälzte die höheren Kosten auf die Schiffsbesatzung ab. Die DAL gründete flugs eine eigene Firma für ihr gesamtes Hotel- und Gaststättenpersonal auf den Schiffen mit einem Haustarif, der dem der Gewerkschaft Nahrung, Genuß und Gaststätten entsprach. Bisher waren die Stewards, Zahlmeister und Köche nach den höheren Tarifen der ÖTV und der DAG bezahlt worden. Vor die Alternative gestellt, zu kündigen oder zu unterschreiben, gingen die meisten der Betroffenen den Weg des geringsten Widerstandes, vielleicht in der Hoffnung auf höhere Trinkgelder.

Bei der Hapag-Lloyd AG wurde dagegen auf dem Kostenaltar eine heilige Kuh geschlachtet: Gehörte es bisher, zu den unantastbaren Prinzipien der Reederei, auf der "Europa" nur so viele Passagiere mitzunehmen, wie Sitze im Speisesaal vorhanden waren, so entschloß man sich nun zu der etwas weniger feinen Methode, in zwei Sitzungen essen zu lassen. Ergebnis: Die Kapazität des Schiffes konnte von 475 auf 574 Kreuzfahrer erhöht werden.

Hapag-Lloyd und Deutsche Atlantik Linie befinden sich mit ihren Sorgen in bester Gesellschaft. Auch die Holland-Amerika-Linie und die Cunard Line kämpfen schon seit Monaten gegen rote Zahlen an. Die Holland-Amerika-Linie steht gegenwärtig in einer harten Auseinandersetzung mit den holländischen Gewerkschaften. Sie möchte auf ihren drei Luxuslinern "Nieuw Amsterdam", "Rotterdam" und "Statendam" über 1000 Besatzungsangehörige gegen billigere Arbeitskräfte aus Indonesien austauschen. Sechs Millionen Gulden, so verlautet aus dem HAL-Hauptquartier, habe der Verlust im Kreuzfahrtgeschäft 1970 betragen.

Cunard wird, wenn die neuen Eigentümer die Geschäftspolitik nicht in eine völlig andere Richtung lenken, den Weg der Rationalisierung beschreiten. Das repräsentative Flaggschiff, die "Queen Elizabeth 2" wird während ihres Einsatzes im Atlantik-Liniendienst ein paar Meilen Geschwindigkeit zulegen und die Hafenliegezeiten in Southampton und New York so verkürzen, daß in der Sommersaison drei zusätzliche europäische Kreuzfahrten herausspringen: zwei siebentägige Mittelmeerkreuzfahrten und eine zwölftägige Nordlandreise. Ein zusätzlicher Service, der besonders für deutsche Passagiere interessant ist.

Die beiden älteren Cunard-Kreuzfahrtschiffe, die "Carmania" und die "Franconia" sollen im Herbst in die Werft gehen und völlig umgebaut werden. Bisher leistete man sich den Luxus, beice Schiffe nur mit jeweils 650 bis 700 Passagieren zu belegen, obwohl Platz für weitere 200 Reisende gewesen wäre. Die riesigen Autohallen und Frachträume, die bislang leer über die Meere spazierengefahren wurden, werden nun für den Einbau neuer Kabinen herangezogen.