„Ein schwarzer Freitag für Europa“ – so beurteilte die europäische Öffentlichkeit das Brüsseler Treffen der sechs EWG-Minister, denen es in der vorigen Woche nicht gelang, eine gemeinsame Haltung in der Dollar-Krise zu finden. Nach sechzehnstündigen Beratungen gingen die Minister praktisch ohne Ergebnis auseinander. In Brüssel wurde von einem „Rückschlag für Europa“ gesprochen; die EWG habe eine große Gelegenheit vertan.

Jetzt soll sich im September eine neue Konferenz mit den Währungsproblemen befassen. Nach Vorstellung der Benelux-Länder sollte diese Konferenz vom 13. September auf den 3. oder 4. September vorverlegt werden. Die Benelux-Länder taten am Wochenende auch einen ersten Schritt zur Gemeinsamkeit in Währungsfragen: Sie vereinbarten feste Wechselkurse untereinander und ein „floating“ gegenüber anderen Währungen.

Die Brüsseler Verhandlungen scheiterten am französischen Nein. Paris hatte schon vor der Konferenz für eine Aufspaltung des Devisenmarktes in Handels- und Finanz-Dollar plädiert und strikt jede Maßnahme abgelehnt, die zu einer Aufwertung des Francs führen könnte. Außerdem war von französischer Seite die Befürchtung laut geworden, der Dollar könne andernfalls von einer DM-Leitwährung abgelöst werden. Finanzminister Giscard d’Estaing war nicht bereit, von der Haltung abzurücken, die das französische Kabinett festgelegt hatte. Trotz der Vertraulichkeit wurde bekannt, daß er mit Wirtschafts- und Finanzminister Schiller hart zusammengestoßen ist.

Schillers Konzept, das auch von den übrigen EWG-Partnern positiv beurteilt wurde, sah vor, daß sich die Sechs untereinander auf neue Währungsrelationen in Form von Leitkursen einigen und die Bandbreiten innerhalb der EWG auf 1,5 Prozent verengen würden. Nach außen sollten die Bandbreiten erweitert werden, damit sich die Kurse gegenüber dem Dollar nach Angebot und Nachfrage bilden könnten. Frankreich und Belgien sollten das Recht auf zusätzliche Kontrollmaßnahmen an den Kapitalmärkten erhalten.

Das „Nichergebnis von Brüssel“ (Stuttgarter Zeitung) ist in den europäischen Ländern, besonders in England, bedauert worden. Die Regierungen bemühten sich aber, die Differenzen herunterzuspielen. Erfreut zeigte sich nur Japan: Tokio sieht jetzt eine Möglichkeit, die Aufwertung des Yen hinauszuschieben und bilaterale Verhandlungen mit Washington zu führen. Ein offiziöser japanischer Vorschlag: Aufwertung des Yen um 10 Prozent gegen Abschaffung der zehnprozentigen Einfuhrsteuer, lief rasch auf Sand. Washington erklärte über mehrere Kanäle seinen Handelspartnern, daß es sich die Einfuhrsteuer nicht abhandeln lasse.