In Deutschland sollen Wohnungsmieter von alten Vorstellungen erlöst werden. Die Erfahrungssätze: „Als Mieter bezahlt man viel zuviel Geld in die Taschen der Hauseigentümer. Dem Mieter selbst bleibt nichts“, und: „Als Bewohner einer Eigentumswohnung würde man statt in die Taschen der Hauseigentümer praktisch in die eigenen Taschen zahlen. Aber wer kann das hohe Eigenkapital aufbringen? Doch wieder nur mehr oder weniger reiche Leute“, sollen in Zukunft nicht mehr gelten.

Der Deutsche Mieterbund und das gewerkschaftseigene Wohnungsunternehmen Neue Heimat erkannten die vermögenspolitischen Chancen dieser Mietergesinnung. Beide Institutionen entwickelten Programme für eine neue Art von Wohnungen, die weder Miet- noch Eigentumswohnungen sein werden.

Zuerst jedoch erkannte die Baseler Handwerkerbank die Angebotslücke zwischen Miet- und Eigentumswohnungen. Vor zwei Jahren ließ sie durch einen ihrer Direktoren Walter Guldimann und durch den Züricher „Immobilienkonsulenten“ René Hatt einen Expertenbericht erstellen. Das Ergebnis: eine Variation des Immobilien-Leasing.

Eine Tochtergesellschaft der Handwerkerbank, die Zentra-Ver AG. Basel, kauft Wohnhäuser auf. Mit den Mietern wird ein Mietvertrag auf 16 Jahre und drei Monate abgeschlossen. Zugleich wird dem Mieter ein nach Ablauf dieser Mietdauer wirksam werdendes Kaufrecht eingeräumt. Für das Kaufrecht – und das ist die einzige „Eigenkapital“-Leistung des Mieters – muß der Mieter eine Vorauszahlung in Höhe von zehn Prozent des vereinbarten zukünftigen Kaufpreises bezahlen. Diese zehn Prozent werden später, wenn der Mieter nach Ablauf des „Mietvertrages“ „seine“ Wohnung kaufen will, voll auf den Kaufpreis angerechnet.

Die Zentra-Ver AG. refinanziert sich bei der Handwerkerbank. Sie nimmt dort eine I. Hypothek in Höhe von 50 Prozent des Kaufpreises auf und für die restlichen 40 Prozent eine II. Hypothek.

Der für die Dauer des Leasing-Vertrages zu zahlende Mietzins setzt sich folgendermaßen zusammen:

  • Zinsen für die I. Hypothek
  • Zinsen für die II. Hypothek
  • Amortisation der II. Hypothek
  • Obligatorische Versicherungsprämie für die II. Hypothek
  • Gebühren und Abgaben für Haus- und Grundstück, Bankkommission, Leasingkosten