Von Rolf Diekhof

In der vergangenen Woche demonstrierte Richard Nixon in Illinois, wie ein mächtiges Land internationale Währungspolitik betreibt. Der Präsident der USA erklärte den neuen amerikanischen Protektionismus zu einer Politik, die durch „die Notwendigkeit einer Abwertung der internationalen Währungen“ erzwungen wurde. Nixons Sicht der Dinge wurde später in Washington ausführlich dargelegt: „Die Importsteuer von zehn Prozent ist ein Faustpfand dafür, daß andere Länder, ihre Währungen angemessen aufwerten, und was ‚angemessen‘ ist, bestimmt Nixon.“

Nach dem Versagen der EWG ist es sicher, daß Washington zumindest einigen Ländern jetzt diktieren kann, was sie zu tun haben. Der Vorgang ist in der internationalen Währungspolitik einmalig, denn nicht Yen oder D-Mark sind diesmal krank, sondern allein der Dollar. Die Amerikaner wissen das genau: „Der Dollar ist ohne Zweifel der kranke Mann der internationalen Finanzwelt und seine Krankheit gleicht der Pest“, so das Nachrichtenmagazin Newsweek.

Doch der „kranke Mann“ hat die Macht, die anderen für seine Genesung bezahlen zu lassen. Und es steht auch schon fest, wer am meisten bezahlen soll – Japan. Allein „das japanische Problem“ habe eine Abwertung des Dollar sinnlos erscheinen lassen, erklärte Präsident Nixon. Denn bei einem „vernünftigen Dollar-Abwertungssatz“ hätten die Japaner noch immer einen großen Vorsprung im Welthandel gehabt. Der Yen, so wird in Washington spekuliert, müßte um 20 bis 25 Prozent aufgewertet werden, während für die Währungen der anderen Industrienationen ein Satz von zwölf bis 15 Prozent als „angemessen“ betrachtet wird.

Doch das Argument Japan ist nur eine Ausrede für Nixons Protektionskurs. Die USA beuten die Abhängigkeit ihrer Handelspartner vom großen nordamerikanischen Markt rücksichtslos zum eigenen Nutzen aus. Die administrativen Abwehrmaßnahmen gegen Importe sind nicht mehr als eine dürftig, kaschierte Hilfe für die einheimische Industrie.

Denn mit der Aufgabe des Goldstandards wurde der Dollar praktisch schon abgewertet. Der deutsche Exporteur muß heute die US-Importsteuer bezahlen und er verliert obendrein noch rund acht Prozent, wenn er Dollar in D-Mark tauscht. Der japanische Exporteur hat vorerst keinen Verlust beim Umtausch, weil seine Notenbank noch am alten Wechselkurs festhält. Die Notenbank aber muß den Verlust tragen: Sie bezahlt für Dollars mehr als sie wert sind.

Noch deutlicher wird die Diskriminierung durch die Importrestriktionen am Beispiel Kanadas. Kanada ist noch vor Japan der größte Handelspartner der USA. Und obwohl der Kurs des kanadischen Dollars schon seit über einem Jahr freigegeben ist – damit ist eine Wettbewerbsverzerrung im Außenhandel durch Währungsungleichgewichte ausgeschlosssen – wird Kanada von den Importrestriktionen nicht verschont.