Von Christa Rotzoll

Der Werbefachmann Ed, der die Geschichte für uns hervorholt, wird immer ans Kino erinnert: wenn er sein Paddelboot vom Ufer abstößt und wenn er auf eine riesige Steinwand zusteuert, wenn er seinen Freund wie Johnny Weissmüller nackt kraulen sieht, wenn er am Felsen Halt sucht oder wenn er überlegt, was er der Polizei erzählen soll. Wenn Männer mehr Manner sei möchten als sonst, wenn ordentliche Verdiener und Klubkameraden beschließen, auf ein verlängertes Wochenende der Wildnis im Kanu zu trotzen, mit Pfeil und Bogen, Bier und Whisky, Seilen und besonders scharfen Messern: dann verpassen sie sich Filmrollen, ob sie’s nun merken oder nicht.

Das Unternehmen, das also zum großen Teil vom Kino angestiftet worden ist, hält einen amerikanischen Roman sehr forsch in Gang, der seinerseits in einen Film verwandelt werden wird. Polanski sei bereits am Werk, steht auf dem Schutzumschlag von

James Dickey: „Flußfahrt“, Roman, aus dem Amerikanischen von Jürgen Abel; Rowohlt Verlag, Reinbek; 251 S., 22,– DM.

Dickey hat sich eine so bedenkenswerte wie aufregende Affäre ausgedacht. Zwei der vier Gefährten – sie wissen allesamt nicht, daß die klippenreiche Flußfahrt ohnehin viel zu riskant ist – werden überfallen; von zwei schlichten Waldmenschen mit Gewehr, gewalttätigen Päderasten. Einem der Schurken steckt plötzlich ein Pfeil in der Brust, der Komplize verschwindet. Lewis, der Tarzan der Kanugruppe, hatte sich rettend angeschlichen. Der Mann, den er erlegt hat, wird heimlich begraben – man scheut den Umgangmit lokalen Rechtsinstanzen. Aber der Komplize schießt zurück, hinunter auf den Fluß. Er tötet Drew, den Verkaufsleiter, der ehrlich an die Erfrischungsgetränke der eigenen Firma geglaubt hat. Und er wird auch Drews Begleiter töten, alle drei, falls er nicht selber zuvor getötet wird. Ed, der gemütliche Ed, der Vizechef dieses Werbebüros, wird in der besonderen, der beinahe verzweifelten Lage zum umsichtigen, zähen Killer.

Ed trägt die böse, zügige und zwingende Geschichte mit einigem Zartsinn vor und nicht ohne Witz. Der angehende Mörder denkt im Hinterhalt nicht gerade selbstlos, aber doch im Einklang mit der anerzogenen Moral: „Wenn Bobby und Lewis starben, wollte ich mir nicht vorwerfen müssen, daß ich weiter nichts getan hatte als eine Felswand hochzuklettern und sie dann ihrem Schicksal überlassen hatte. Aber wenn der Mann, nach dem ich Ausschau hielt, nicht hierherkam, wo ich ihn erwartete, um ihn zu töten, dann hatte ich mein Bestes getan, dann war es nicht meineSchuld.“