Politik

Ja nach langem Streit

Über fast zwei Jahre haben sich die Verhandlungen der Westmächte mit der Sowjetunion über Berlin hingezogen.

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DIE ZEIT

Ein Vertrag der Vernunft

Berlin bleibt Berlin. Das ist, in drei Wörtern, der Kern des Abkommens, über dessen Entwurf sich die Botschafter der vier Kriegsalliierten am Montag geeinigt haben – nach siebzehn Verhandlungsmonaten, 33 Sitzungen und über 150 Konferenzstunden.

Beispiel Pompidou

In Brüssel ist in der vorigen Woche nicht nur eine Chance verpaßt worden – ein solches Versäumnis ließe sich vielleicht wieder wettmachen.

Bonn will säubern

Bonn ist ein gutes Stück weitergekommen: Innenminister Genscher, Bonns Chef-Umweltschützer, hat den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, das dem Menschen endlich einen gewissen Schutz vor Gefahren durch Luftverunreinigungen, Lärm und ähnlichen schädlichen Einflüssen bietet.

Der Medizinmann aus Malawi

Den stockkonservativen Buren-Nachkommen Südafrikas muß das Bild schwer erträglich gewesen sein: Für einen Schwarzen wurde ein roter Teppich ausgerollt, stand eine weiße Ehrengarde Spalier, brauste eins Düsenjägerformation über den Himmel.

ZEITSPIEGEL

„Strauß wird sich noch mehr als bisher in die Rolle eines Neanderthalers steigern müssen, wenn er behaupten will, drei konservative Regierungen hätten sich von den Sowjets über das Ohr hauen lassen.

Nein um jeden Preis?

Manche Politiker der Opposition hatten in Berlin den ostpolitischen Offenbarungseid der Bundesregierung erwartet. Jetzt, da sich eine befriedigende Berlin-Regelung abzeichnet, werden tiefgehende Meinungsverschiedenheiten in der Union offenbar.

Ein stolzer Bürger

Reinhold Maier war ein schwäbischer Demokrat alter Tradition – ein Mann, der auf altmodische Weise stolz darauf war, Bürger zu sein.

Barzel in der Klemme

Die Worte des Vorsitzenden Kiesinger mögen in der CDU an Gewicht verloren haben. Sein Plädoyer für Helmut Kohl als Nachfolger und damit für eine Trennung zwischen dem höchsten Parteiamt und der Kanzlerkandidatur wird dennoch nicht ohne Wirkung bleiben.

Dayans Geschoß

Moshe Dayan, Israels eigenwilliger und eigensinniger Verteidigungsminister, ist wieder einmal aus der Reihe getanzt. Just in dem Augenblick, da die Regierung in Jerusalem vor Beginn der UN-Vollversammlung im Ausland für seine Nahost-Politik werben will, plädierte Dayan für eine Änderung dieser Politik.

Applaus für Nixons neuen Kurs

Ein ganzer Chor feindseliger Stimmen hat auf die wirtschafts- und finanzpolitischen Stabilisierungsmaßnahmen Präsident Nixons geantwortet.

Tod in San Quentin

Für George Jackson, den „Soledad-Bruder“ und schwarzen Revolutionär hinter Gittern, ist das Urteil erfüllt: „One year to live.

Ein Affront gegen Amerika

Das Wahltheater in Saigon hat es an den Tag gebracht: Amerikas politischer Einfluß in Südvietnam nimmt ab mit jedem GI, der das Land verläßt.

Bukarest bleibt hart

Zum rumänischen Nationalfeiertag in der vorigen Woche schickten auch die Sowjetführer ein Telegramm nach Bukarest: Der Kreml wolle mit der rumänischen KP, mit Land und Volk weiterhin Freundschaft und Zusammenarbeit pflegen.

Neue Polit-Herberge gesucht: Saft statt Sekt

Die Düsseldorfer Kabinettsrunde traute ihren Ohren nicht. Innenminister Willi Weyer überbrachte dem regierungsamtlichen Kollegium eine ungewöhnliche Offerte: Der Kaufhaus-Millionär Helmut Horten, vor etlicher Zeit von Düsseldorf in die Schweiz umgezogen, bietet dem Land seine Luxusvilla mit allem Drum und Dran am nördlichen Stadtrand Düsseldorfs zum Verkauf an.

Gedränge hinter Dregger: Rangeln am Start

Hessens Sozialdemokraten kamen lange Zeit aus dem Gerede nicht heraus. Zweifel an der Führungsqualität des Ministerpräsidenten Albert Osswald und die dadurch ausgelösten Parteidiskussionen waren für landespolitische Kommentatoren schon zum Dauerlutscher geworden.

Zellen-Notizen

Die Indizienkette scheint lückenlos, aber der, den die Polizei für den Iserlohner Liebespaarmörder hält, schweigt. Bei den Verhören im Hammer Gefängnis konnte der Staatsanwalt bisher, nur die Lebensgeschichte des 22jährigen Rolf Assmann im Stenogramm aufnehmen.

Rechtsputsch in Bolivien

Genau gerechnet erlebte Bolivien in der vergangenen Woche den 186. Putsch in den 146 Jahren seiner Unabhängigkeit, Präsident Juan José Torres mußte nach zehn Monaten Amtsdauer abtreten.

Föderations-Versuch in Nahost

Zum vierten Mal starteten arabische Länder den Versuch einer politischen Vereinigung: Am Freitag letzter Woche unterzeichneten die Präsidenten (von links) Sadat (Ägypten), Ghaddafi (Libyen) und Assad (Syrien) in Damaskus die Gründungsurkunde für die ‚Föderation Arabischer Republiken“ (FAR).

Die EWG fand keine Linie

„Ein schwarzer Freitag für Europa“ – so beurteilte die europäische Öffentlichkeit das Brüsseler Treffen der sechs EWG-Minister, denen es in der vorigen Woche nicht gelang, eine gemeinsame Haltung in der Dollar-Krise zu finden.

Dokumente der ZEIT

„Das rumänische Volk ist ein Volk mit einer ruhmreichen revolutionären Tradition. Es hat lange heldenhafte Kämpfe für die nationale Unabhängigkeit und Befreiung geführt.

Krisenherde in der Welt

Die innenpolitische Lage Südvietnams ist verworrener denn je. General „Big“ Minh erklärte am Freitag voriger Woche, er verzichte auf seine Kandidatur als bis dahin einziger Mitbewerber des amtierenden Präsidenten Thieu bei den Präsidentschaftswahlen am 5.

Ein Schweizer trotzt dem Papst

Nordamerikas Bischöfe empfahlen „die gleiche kluge Vorsicht, die bei der Lektüre eines dem katholischen Glauben feindlichen Buches angebracht ist“.

Es darf geloved werden

Der tränentreibende Film "Love Story", der, wie inzwischen in der ganzen Welt, auch in Frankreich länger als ein Vierteljahr finanziell erfolgreiche Überschwemmungen in den Kinosälen angerichtet hat, ist ostwärts abgezogen.

Kunstkalender

In einigen Städten und Ländern der Bundesrepublik hat man Kunstpreise abgeschafft, in anderen werden sie munter weiterverliehen.

Verjüngungskur der Erde

Ich halte nichts von Futurologen. Sie programmieren ihre Denk-Computer mit acht bis achtzehn Daten, um einen Vorgang vorauszusagen, in dessen Maschinerie die Natur gleichzeitig schon achtzehntausend ihnen unbekannte Daten hineinprogrammiert hat.

Das Elend, Hochhuth und die CDU

Rolf Hochhuth ist ein Geschichtsfälscher. Einige mißtrauten dem auf eigenwillige Weise engagierten Linken ja schon immer. Hat er doch bereits Gottes „Stellvertreter“ Pius XII.

ZEITMOSAIK

In Hamburg tut sich was. Vom ersten Schnuppern am inzwischen fast schon legendären Underground auf der Reeperbahn hat sich die „Filmschau“ der Filmmacher Cooperative, in diesem Jahr gemeinsam mit dem Münchner Syndikat der Filmmacher veranstaltet, zu einem veritablen Festival gemausert.

Der Rock’n’ Roll trägt Trauer

Fats Domino, schwergewichtig wie immer und deprimiert von der gegenwärtigen Pop-Musik-Szene und ihrem Image, lehnt sich in der Garderobe in einen breiten Sessel zurück.

Abroad • Del extranjero •De l’étranger: Nur für Indianer

Zum erstenmal stieß ich auf den Begriff „Indianer-Universität“, als ich vor ungefähr einem Jahr die Meldung über jene 160 zornigen Indianer las, die zusammen mit der Filmschauspielerin Jane Fonda versucht hatten, das im US-Bundesstaat Washington gelegene Fort Lawton zu erobern.

Keine Ferienreise

Reisen bildet. Neun Mitglieder der Enquête-Kommission "Auswärtige Kulturpolitik" haben unter Führung des CDU-Bundestagsabgeordneten Berthold Martin eine sechswöchige Reise nach Südamerika angetreten.

KRITIK IN KÜRZE

„Bibliography of Creative African Writing“, von Janheinz Jahn und Claus Peter Dressler. Im Gegensatz zu englischen und französischen Kennern, die afrikanische Literatur einer „Frankophonie“ oder „Commonwealth Literature“ zuordneten, hat Janheinz Jahn immer die gesamte schwarzafrikanische Literaturszene im Auge gehabt.

VON ZEIT-MITARBEITERN

Ferdinand Ranft (Herausgeber): „Zwei Tage in ...Europäische Städte laden ein.“ „Der Mini-Trip in die europäischen Großstädte entwickelt sich zu einem ungeheuer interessanten Geschäft“, war der Kommentar eines der führenden deutschen Reiseunternehmen zu Beginn des Jahres 1971.

Film und Mord

Der Werbefachmann Ed, der die Geschichte für uns hervorholt, wird immer ans Kino erinnert: wenn er sein Paddelboot vom Ufer abstößt und wenn er auf eine riesige Steinwand zusteuert, wenn er seinen Freund wie Johnny Weissmüller nackt kraulen sieht, wenn er am Felsen Halt sucht oder wenn er überlegt, was er der Polizei erzählen soll.

Der Weg zum Aufwiegler

Ein Zitat: „... was stelle ich gegenwärtig darf Ein kleines Kapital an Sicherheit erlaubt mir einen Handlungsspielraum, den andere nicht haben.

Unkenntnis auf beiden Seiten

Die Nachricht vom japanischen Angriff auf Pearl Harbor schlug in Berlin ein wie eine Bombe. Hitler weigerte sich zunächst, sie zu glauben.

Angelpunkte Raum und Rasse

Dreißig Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges lag – abgesehen von essayistischen Aufrissen und der bewußt auf eine historische Darstellung verzichtenden Strukturanalyse Hans-Adolf Jacobsens (Nationalsozialistische Außenpolitik 1933 bis 1938) – immer noch keine umfassende Darstellung der Außenpolitik Deutschlands in den Jahren 1933–1939 und – thematisch eng damit verbunden – der Vorgeschichte des Weltkrieges vor.

Fernsehen: Den Faden verloren

Vier Variationen über das Thema: Ein Mensch hält seinen Einzug in Berlin, kein Fränze Bieberkopf (wie ihn Alfred Döblin vor mehr als vierzig Jahren beschrieb), sondern eine als Ariadne vorgestellte junge Frau, die, in vierfacher Gestalt mit vier verschiedenen Beförderungsmitteln einreisend (von West nach Ost mit dem Flugzeug, der Eisenbahn und dem eigenen Auto, von Ost nach West mit dem Taxi), an Ort und Stelle die, Absurditäten eines Gemeinwesens erfährt, dessen Existenz in Grundbüchern sehr unterschiedlicher Prägung auf höchst disparate Weise notiert worden ist.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Der Ungar-Österreicher Ligeti sucht weiter in Richtung Klangfarben-Brechungen: Dicke Farbflächen werden aufgelockert, mit feinen Rissen durchzogen, schattiert; zwei um einen Viertelton gegeneinander verstimmte Orchester, virtuose Einsprengsel auf solistischen Instrumenten, elektronisch erzeugte Klänge mit Sprach-Charakter.

Penns „Little Big Man“: Noch ein letzter Held

Vor III Jahren, als ich zehn Jahre alt war ... Kann man jemandem glauben, der seine unwahrscheinliche Lebensgeschichte so beginnt? Kann man diesem Jack Crabb trauen, der behauptet, der einzige weiße Überlebende der berühmten Indianerschlacht am Little Bighorn im Jahre 1876 zu sein, obwohl bekannt ist, daß jener Glückliche anders hieß und ein indianischer Scout war? Müßige Fragen! Mag dieser Jack Crabb auch ein Lügner und Aufschneider sein, was seine Person und seine Rolle in der Geschichte des Wilden Westens angeht, die historischen Fakten der Vernichtungskämpfe der Weißen gegen die Indianer sind authentisch.

Auf ein Wort hin

Er war einer von vieren – früher zählte ein Jahrgang gelegentlich bis zu vierzig Kandidaten. Er stammte aus dem Milieu, das seit eh und je die meisten Priesterberufe stellt, einfacher oder mittlerer Angestellter in der Kleinstadt, das Vertiko im Zimmer mit der Standuhr darauf, die Wohnküche im Gelsenkirchener Barock, die Geranien vor dem Fenster.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Die Abenteuer des Juan Quin Quin“ (Kuba 1967), von Julio G. Espinosa (West III am 27. August), enthält viele Elemente des kubanischen Films der letzten zehn Jahre und könnte als eine Art Anthologie genommen werden, was die Stilmittel angeht, die man auch in den Dokumentarfilmen von Santiago Alvarez wiederfindet (Schrifttitel, Comic Strip).

Faustpfand für Big Business

In der vergangenen Woche demonstrierte Richard Nixon in Illinois, wie ein mächtiges Land internationale Währungspolitik betreibt.

Mit stumpfen Waffen

Für viele Marxisten ist die gegenwärtige Währungskrise und die Bankrotterklärung der USA im internationalen Zahlungsverkehr eine langersehnte Bestätigung für den Glaubenssatz, daß der „Kapitalismus“ von Krise zu Krise taumelt.

REPORT AUS BONN

Bonn ist weit entfernt von einer Krisenstimmung. Superminister Karl Schiller begann programmgemäß seine Chefgespräche über den kommenden Haushalt – trotz Währungskrise.

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