Neu in Museen und Galerien:

Bremen Bis zum 5. September, Kunsthalle, Neues Forum: „Künstler unter 35 Jahren“

In einigen Städten und Ländern der Bundesrepublik hat man Kunstpreise abgeschafft, in anderen werden sie munter weiterverliehen. Das Neue Forum Bremen bietet eine Art regional eingegrenzten Ersatz für den ehemaligen Kunstpreis der Jugend. Künstler unter 35 Jahren können mitmachen, wenn sie aus Norddeutschland einschließlich Nordrhein-Westfalen oder aus Berlin stammen, genauer: entweder dort geboren oder dort ansässig sind. Das alte Modell, jurierte Ausstellung plus Preisvergabe, wird in Bremen, trotz aller prinzipiellen Einwände gegen die unkontrollierbare Arbeit einer Jury, erfolgreich praktiziert. Den ersten Preis bekam der beste unter den ausgestellten Künstlern, Lienhard von Monkiewitsch, für seine Farbstiftzeichnungen von Fußböden und Scheuerleisten, die so präzis und mit nuancierten Schattierungen gezeichnet sind, daß sie Räumlichkeit, die Räumlichkeit eines nicht vorhandenen Raums suggerieren. Auch die anderen Preisträger und die Mehrzahl der Aussteller tendieren zu einer Auseinandersetzung mit „Realität und Naturalität“ (Günter Busch), die jüngere Generation scheine sich wieder einem sehr charakteristischen Realismus zuzuwenden, heißt es im Katalog, obgleich es offenbar erhebliche Schwierigkeiten macht, diesen Realismus zu charakterisieren, der sich in eine Vielzahl von Realismen aufspaltet. Pit Morell, Dieter Asmus und Peter Tuma lassen sich auf keinen gemeinsamen realistischen Nenner bringen.

Hannover Bis zum 12. September, Galerie Brusberg: „Arshile Gorky“

Amerikanische Kritiker sind sich einig in ihrem Urteil über Arshile Gorky: eine ganz entscheidende Figur, ungefähr ebenso wichtig wie Jackson Pollock für Amerikas Weg zur modernen Kunst. Gorky ist 1905 in einem armenischen Dorf geboren und mit 15 Jahren in die Staaten gekommen, 1948, als er eben anfing, bekannt zu werden, hat er sich nach einem Autounfall das Leben genommen. Erst viel später, in den 50er Jahren, hat man ihn als einen Pionier des abstrakten Expressionismus gefeiert. Bei uns hat man bisher immer nur zusammenhanglose Bruchstücke seines Werkes zu sehen bekommen, auch die Ausstellung bei Brusberg macht da keine Ausnahme. Sie präsentiert ein Dutzend Zeichnungen aus den frühen 30er Jahren, die ihn als einen verspäteten Kubisten ausweisen, der seinen Picasso gründlich studiert und nahezu wörtlich übernommen hat. Die nächste Werkgruppe stammt aus den Jahren 1944 bis 46, Gorky hat sich von Picasso und seiner Vergangenheit getrennt. Die Gründe für diesen totalen Bruch bleiben rätselhaft. Aber André Breton war von diesen neuen Arbeiten so enthusiasmiert, daß er Gorky als letzten Künstler in die Gruppe der Surrealisten aufnahm, was sich später als fundamentales Mißverständnis erweisen sollte. Gorkys zeichnerische Improvisationen sind eher dem frühen Kandinsky als den Surrealisten verpflichtet. Die flatternden Formen, die irisierenden Farbflecken, die heftigen Kurvaturen lassen sich nicht im Sinne Bretons als figurative Assoziationen, als Landschaft, Auge, Gesicht, verstehen. Gorky hat sich hier offenbar gerade von den gegenständlichen Zwängen des Surrealismus befreit, er ist nicht mehr Nachzügler, der Letzte irgendeiner Schule, sondern ein Vorläufer, der sich seiner Sache noch gar nicht sicher ist, der sich zögernd nach vorn tastet und bis zu seinem Ende nicht so genau weiß, wohin es eigentlich geht.

Wichtige Ausstellung:

Baden-Baden Bis zum 26. September, Kunsthalle: „Horst Antes“