Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat resigniert. Seine Exekutiv-Direktoren veröffentlichten am Wochenende in Washington ein Kommuniqué, das den Fehlschlag des IWF besiegelt: Allen Mitgliedsländern wird freigestellt, welchen Kurs sie künftig für ihre Währung wählen wollen. Damit ist nach der Gold-Einlösungspflicht ein weiteres Grundprinzip der internationalen Währungsordnung offiziell aufgegeben worden: die feste Parität zum US-Dollar.

Jedes Land darf künftig seine Wechselkurse so gestalten, wie es ihm beliebt. Bisher waren Auf- und Abwertungen grundsätzlich nur bei schweren Störungen des Zahlungsbilanz-Gleichgewichts erlaubt. Sie mußten zudem beim IWF angemeldet werden. Länder, die (wie die Bundesrepublik und Kanada) ihre Kurse ganz freigaben, handelten eigentlich illegal. Denn die Preise für Devisen durften nur innerhalb enger Grenzen (Bandbreiten) schwanken.

Das System von Bretton Woods ist damit noch nicht tot, aber in der gegenwärtigen Form nicht auf Dauer lebensfähig. Allein in den sechs Ländern der EWG werden seit Beginn dieser Woche vier verschiedene Modelle auf den Devisenmärkten praktiziert.

Floating (flexible Wechselkurse) bedeutet, daß der Preis einer Währung (Wechselkurs) sich nach Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt bildet. Die Zentralbank verzichtet darauf, den Wechselkurs durch ihre Interventionen innerhalb enger Grenzen (Bandbreiten) zu halten. Dieser Vorgang ist mit der Kursbildung an den Aktienbörsen zu vergleichen.

Floating hat den Vorteil, daß in der Zahlungsbilanz weder Überschüsse noch Defizite entstehen: Ungleichgewichte verschwinden durch die Variation des Wechselkurses. Auch das Problem der Währungsreserven verliert damit an Bedeutung. Und die Spekulation korrigiert sich selbst: Wird zum Beispiel die Mark stark nachgefragt, so steigt ihr Preis (Kurs); sobald sie aber teurer wird, lohnt es sich nicht, mehr, sie zu kaufen. Doch freie Wechselkurse schaffen binnenwirtschaftliche Probleme. Sie können Exporte (und damit Arbeitsplätze) gefährden oder bei einer Abwertungstendenz die Preisstabilität erschüttern. Auf jeden Fall aber wird der Welthandel behindert, weil ständig Unsicherheit über die Verrechnungskurse (und damit Preise) herrscht.

Für Wirtschaftsgemeinschaften wie die EWG treten bei flexiblen Wechselkursen weitere Probleme auf. Denn wenn die Währungen der Mitgliedsländer sich unterschiedlich entwickeln, kommt das Preisgefüge im Verhältnis zu Drittländern in Unordnung. Bestehen feste Verrechnungspreise unter den Mitgliedern (wie beim „Grünen Dollar“ des EWG-Agrarmarktes), so entfällt die Grundlage, und ein System einheitlicher Preise wird illusorisch. Auch eine Währungsunion rückt in weite Ferne, wenn sich der Wert der beteiligten Währungen ständig ändert.

Als die Bundesrepublik im Mai 1971 zu flexiblen Wechselkursen überging, war das nicht der erste Versuch mit diesem System. Kanada hatte seine Kurse im Juni 1970 bereits zum zweitenmal freigegeben. Seit einigen Tagen versuchen nun auch die Benelux-Länder ihr Glück mit dem Floating: Sie haben ihre Währungen eng aneinandergebunden, lassen sie aber im Verhältnis zu anderen Ländern frei schwanken.