Der Vorstand der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) fühlt sich von der Börse schlecht behandelt. Den Kurssturz seiner Aktien von 380 auf 280 bis 287 Mark innerhalb kurzer Zeit hält er nicht für gerechtfertigt. Denn entgegen anders lautenden Pressemeldungen stehe eine Dividendenkürzung nicht zur Diskussion. Allerdings müsse wohl mit der Streichung des Bonus gerechnet werden. Aber dieser Bonus, so wird aufklärend hinzugefügt, sei ohnehin nur auf „positive Sondereinflüsse“ zurückzuführen.

Nun ist allerdings nicht drei Jahre lang ein Bonus von zwei Prozent gezahlt worden, weil wirkliche Sondererträge angefallen sind. Die günstige Konjunkturlage und ein klug terminiertes Investitionsprogramm haben der Gesellschaft vielmehr gute Gewinne gebracht. Inzwischen hat sich wegen der allgemeinen Kostenexplosion und einer zu lange hinausgezögerten Erhöhung der Stromtarife die Gewinnsituation verschlechtert.

Ob dies unbedingt zu einer Ausschüttungskürzung führen muß, wird später zu prüfen sein. Nun aber zu erwarten, die Anleger würden die Reduzierung ihrer Ausschüttung leichter hinnehmen, weil ja „nur“ der Bonus entfallen und nicht die Dividende gekürzt werden soll, dürfte doch wohl reichlich naiv sein. Für den Aktionär macht es gar keinen Unterschied, ob er auf zwei Prozent Bonus oder auf zwei Prozent Dividende verzichten muß. Er erhält weniger – und das ist auch für den Börsenkurs entscheidend. K. W.