Der Beruf des Industriedesigners geriet in letzter Zeit etwas in Mißkredit. Auch viele Unternehmen schenken ihm nur wenig Beachtung. Dabei handelt es sich um einen Beruf mit guten Chancen für die Zukunft.

Als Voraussetzung zum Industriedesigner ist eine technische Vorbildung unerläßlich. Ohne Kenntnisse und Fähigkeiten auf diesem Gebiet bleiben nur rein künstlerische Aufgaben übrig, die sich in Glas- und Porzellangestaltung oder ähnlichen Tätigkeiten erschöpfen. Es entsteht ein falsches Bild, wenn diese teilweise kunsthandwerklichen Merkmale zur Charakterisierung des gesamten Berufsbildes benutzt werden. Die Ausbildungsbedingungen und Berufsanforderungen sind zwar vom VDID (Verein Deutscher Industrie-Designer) eindeutig festgelegt worden, sind aber zuwenig bekannt.

Es gibt viele Ausbildungsmöglichkeiten in der BRD, ihre Qualität ist aber keineswegs immer gut. Besonders bedauerlich ist, daß die Ulmer Hochschule für Gestaltung, eine weltbekannte und anerkannte Institution, dem politischen und finanziellen Kleinkrieg zum Opfer fiel. Als namhafte Ausbildungsstätte kann heute noch die Folkwangschule in Essen gelten.

Die Angliederung der Industriedesignerausbildung an Kunstschulen war schon immer problematisch. Für die Zukunft wäre es sicher sinnvoller, diesen Beruf an einer Ingenieurschule oder TH zu lehren, da die Technisierung noch zunehmen wird. Die einzelnen Ausbildungsmethoden unterscheiden sich zwar im Detail, enthalten aber im ganzen immer folgende Grundsätze: Am Anfang steht die ein- bis zweisemestrige Grundlehre. Sie soll neben der Vermittlung von Grundwissen über Kulturentwicklung, Gestaltungslehre und Freihandzeichnen auch technisches Zeichnen, Konstruktion und Materialkunde enthalten. Darauf folgt die eigentliche Ausbildung in sechs bis acht Semestern.

In dieser Zeit soll der Student an Hand von Beispielen und Gestaltungsaufgaben an die Probleme des Industriedesigners praktisch herangeführt werden. Wenn sich die Studenten ihre Aufgaben selber stellen, muß der Erfolg fraglich sein; denn jeder Student versucht natürlich, eine für sich selbst zurechtgelegte Aufgabe zu lösen. Und selbst bei dieser bequemen Art der Aufgabenstellung passieren immer wieder Pannen, die eine praxisgerechte und baufähige Form ausschließen.

Es ist also wichtig, daß neben den jetzigen Hauptausbildungsfächern – wie Gestaltungslehre, Photographie, Werkstattechniken und Kunstgeschichte – eine volle Lehrkraft (am besten ein Diplomingenieur) die Fächer Konstruktion, Berechnung, Mechanik und angewandte Technik lehrt. Denn auf Grund der mangelhaften technischen Ausbildung trifft man immer wieder auf Firmenleitungen, die wegen negativer Erfahrungen mit Industriedesignern skeptisch geworden sind und den Designer lediglich als „Schönmacher“ ansehen.

Um aber die Ziele des Industriedesigners zu verwirklichen, nämlich dem Menschen eine optimale Umwelt zu gestalten, muß der Industriedesigner von heute die Arbeitsmittel und Methoden der technisierten Industriegesellschaft spielend beherrschen. Es wäre demnach wünschenswert, wenn an die Qualifikationen des Designers bis zum Abschluß seiner Ausbildung höhere Anforderungen gestellt würden.