Nürnbergs Wirtschaftsreferent Wilhelm Doni fühlt sich von den Verhältnissen „unter Druck gesetzt“. Doch Spielwarenfabrikant Kurt Hauser aus Neustadt bei Coburg versichert: „Wir sind der Stadt Nürnberg nicht in den Rücken gefallen.“ Allerdings fügt er hinzu, wenn die Stadt Nürnberg nicht fest zugesagt hätte, daß die Internationale Spielwarenmesse 1973 auf einem neuen Gelände nahe der Satellitenstadt Langwasser abgehalten werden könne, wäre der Gedanke in „greifbare Nähe“ gerückt, mit der Messe in eine andere Stadt abzuwandern.

Nürnberg möchte die Messe, die seit 1950 in der traditionsreichen Spielzeugstadt abgehalten wird, jedoch auf keinen Fall verlieren. Sie ist die einzige wirtschaftliche Großveranstaltung der fränkischen Metropole, ihre einzige Messe von internationalem Rang, zudem die größte der Spielwarenbranche in der Welt.

An dem bisherigen Standort am Stadtpark platzte sie jedoch aus allen Nähten. Zahlreiche deutsche und vor allem ausländische Fabrikanten, die um einen Platz bemüht waren, mußten seit Jahren immer wieder vertröstet werden. Doni: „Wenn wir die Spielwarenmesse verlieren, dann ist das Tor für alle Zeit zu, dann haben wir keine Chancen mehr, uns auf Messen und Ausstellungen stützen zu können.“

Daher will der Stadtkämmerer tief in die Tasche greifen und bei Langwasser ein neues Messegelände erschließen. Kosten: im ersten Bauabschnitt bis 1973 rund 85 Millionen Mark und im Endausbau mit 10 000 Quadratmetern Hallenfläche 125 Millionen Mark. Das über 50 Hektar große Grundstück, das 22 bis 24 Millionen Mark wert ist, geht dagegen nicht zu Lasten der Stadtkasse, denn der Staat stellt es kostenlos zur Verfügung.

Zur 24. Spielwarenmesse im Februar 1973 sollen bereits 60 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in zehn neuen Hallen zur Verfügung stehen. Messedirektor Fritz Drescher: „Das reicht zwar überhaupt nicht aus, aber es ist ein neuer Anfang.“ Den Bau einer Mehrzweckhalle hat man vorerst aufgeschoben.

Nürnberg berappt also mehr als 100 Millionen Mark für ein Gelände, das zunächst nur sieben Tage im Jahr ausgenutzt ist. Die kleineren, rein regionalen Ausstellungen fallen nur wenig ins Gewicht. Für die „ersten Jahre“ muß die Stadt Nürnberg zudem einen jährlichen Betriebszuschuß von drei Millionen Mark einkalkulieren. Dabei ist noch völlig offen, ob diese Summe ausreicht, um die Differenz zwischen den Einnahmen auf der einen und den Kosten für den Unterhalt und den Kapitaldienst auf der anderen Seite auszugleichen.

Auch die Finanzierung ist noch keineswegs unter Dach. Der Stadtrat hat vorerst nur 20 Millionen Mark genehmigt. Dazu dürften etwa zwölf bis dreizehn Millionen Mark aus der Verwertung des alten Geländes kommen, in dessen Ausbau in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 20 Millionen Mark gesteckt wurden. Gleichgültig, ob man dort Wohnungen baut, ein Schulzentrum errichtet oder Banken und Versicherungen dafür interessiert: Die alten Messegebäude müssen weitgehend abgerissen werden.